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25.07.2018

Albtour 2018 – Tag 2

 

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Auch am zweiten Tag meiner Jubiläums-Albtour ging es tierisch zu. Denn da waren Fridolin, Ludel und Oskar, mit denen ich geschmust habe. Doch der Reihe nach: Zunächst besuchten wir den Reiterhof von Eva Baumann auf der Fauserhöhe bei Münsingen. Die grüne Europaabgeordnete Maria Heubach stieß zu uns und mit ihr ging’s weiter zum ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen. Und von dort ging es weiter nach Römerstein, wo wir mit BeckaBeck den Trösterhof besuchten. Und abends gab es noch eine Diskussionsveranstaltung – im Mittelpunkt stand natürlich die Landwirtschaftspolitik.

Ein großer schwarzer Hengst flößte mir schon gehörigen Respekt ein. Die beiden Ponys Fridolin und Ludel hingegen waren einfach nur zum Knuddeln. Im offenen Pferdestall von Eva Baumann werden die Pferde nicht in Boxen gehalten, sondern in einem offenen Stall. Sie können jederzeit raus auf die Weide. Das ist das reinste Pferdeparadies für die 150 Tiere, die Baumann in ihrem Hof beherbergt. Vor allem Mädchen zwischen 6 und 16 Jahren kommen auch diesen Sommer wieder begeistert zu ihr in die Reiterferien. Doch so begeistert die Mädchen in jungen Jahren sind, später will nur selten eines auf dem Hof mit Pferden arbeiten. Baumann hat immer wieder Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. Syrische und afrikanische Flüchtlinge wollten schon bei ihr arbeiten. Doch wer kein Auto besitzt erreicht den Reiterhof nur per Fahrrad. Mobilität auf dem Land ist immer noch ein großes Problem.

Mit unseren E-Bikes machten wir uns nun zusammen mit der Europaabgeordneten Maria Heubach mittags auf den Weg zum Truppenübungsplatz Münsingen. Dort probierten wir auch ein Viersitzerrad vom Alten Lager aus, das einige von uns sicher ins ehemalige Dorf Gruorn brachte – oder besser: dorthin, wo das Dorf bis 1939 einmal stand. Aufgrund der Erweiterung des Militärgeländes musste das Dorf damals weichen. Übrig blieben nur die Stephanus-Kirche und das ehemalige Schulhaus, in dem sich jetzt ein Lokal und ein kleines Dorfmuseum befinden. Heiner Beck, der Bäcker aus Römerstein stieß zu uns. Und dann kam auch noch Alb-Schäfer Gerhard Stotz zufällig vorbei und blieb für einen Schwatz. Ich muss feststellen: Nach zehn Jahren Albtour kenn ich doch schon so einige dieser Originale, die die Alb beherbergt.

Schäfer Stotz bescherte mir vor Jahren ein wirklich unvergessliches Erlebnis. Damals besuchten wir ihn bei seiner Herde und unterhielten uns über dies und das, als er plötzlich ganz trocken bemerkte, „So jetzt haben wir wieder was Neues.“ Direkt in unserer Nähe waren soeben zwei Lämmchen geboren worden – und wir hatten es gar nicht gemerkt.

Heiner Beck begleitete uns radelnd über den Truppenübungsplatz und durch Wälder und Felder bis nach Römerstein, wo wir zunächst noch tolle Getreidefelder besichtigen konnten. Denn die liefern dem BeckaBeck das Material für sein gutes Bio-Brot. Vom Feld ging’s weiter zum Biohof von Jürgen Tröster und seinem Sohn Sebastian. 75 Kühe leben dort und auch sie bewegen sich frei im Stall, können jederzeit nach draußen gehen und wandern von allein zur Melkmaschine, wenn der Euter sie drückt. BeckaBeck zahlt faire Preise für die Milch, die er zum Backen braucht. 75 Cent bekommt Tröster für den Liter. Der übliche Preis für Biomilch liegt zurzeit bei 50 Cent. „Heiner stärkt die Region und fördert die Wertschöpfung der Alb“, befindet Sebastian Tröster.

Im großen Garten seiner Familie wurden wir von BeckaBeck auf’s Wunderschönste bewirtet. Holunderlimonade gab‘s aus kleinen Karaffen und statt des Plastikstrohhalms tranken wir aus Makaroni-Röhrles. Die Kirschsahnetorte mit Mohntortenboden war eine Wucht. Und die Kräutermischung mit Kümmel fürs frische Brot ist wahrlich von einem echten Genußtüftler entdeckt worden. Maria Heubach nutzte die Gelegenheit bei Kaffee und Kuchen, um mit den Bauern zu fachsimpeln. Und im Hintergrund grollten immer wieder heftige Gewitterdonner. Runter ging der Guss nicht bei uns, sondern in Münsingen.  Und ich? Ich entdeckte meine Liebe zu Oskar, dem riesigen Bernhardiner der Familie Tröster. Der Hund ließ sich mit Wonne knuddeln. Und er schlug mit seiner Pfote in meine Hand ein. Ein ganz neues Gefühl von „Give me five!“

Abends in Münsingen wurde dann noch heftig diskutiert. Ich hatte zum Podiumsgespräch zu den Themen Zukunft der Landwirtschaft, europäische Gemeinsame Agrarpolitik und Glyphosat eingeladen. Mit dabei war neben der grünen Europaabgeordneten, Maria Heuchbuch, auch der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Gebhard Aierstock. Diese Mischung hat den Gästen einen spannenden und streitbaren Abend beschert. Und auch danach gingen die Gespräche noch lebhaft weiter. Es war ein gelungener Abend.