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26.07.2018

Albtour 2018 - Tag 3

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Wir waren 14 Radler_innen, darunter auch die diesjährige Blumenwiesenkönigin, Sandra Wild. Los ging es bei der Gedenkstätte Grafeneck, wo 1940 insgesamt 10.654 behinderte Menschen ermordet wurden. Nach diesem Grauen besuchten wir die Alpakas in Wasserstetten und genossen die Ruhe im Stall. Weiter ging es nach Buttenhausen zur Biogasanlage von Dennis Striebel. Wir schauten im Café Ikarus vorbei, besuchten das Fachpflegeheim Haus Liesental und den Gemeinschaftsacker von Karl-Heinz Pfleiderer. Und abends ging es zum Dorffest in Gomadingen.

Der Tag begann mit viel Grauen und Schrecken. Denn das Schloss Grafeneck steht in unserer Region für den tausendfachen Mord an Menschen, deren Leben die Nazis für unwert befanden. Der organisierte Mord war ein erstes Vorspiel des Holocaust. Die meist psychisch und geistig behinderten Menschen wurden aus Heimen und Einrichtungen in Baden-Württemberg, Hessen, Bayern und selbst aus NRW herangekarrt. In Grafeneck wurden sie mit Kohlenmonoxid erstickt. Ein qualvoller Tod, doch die SS hielt das nicht davon ab, „Euthanasietourismus“ zu betreiben und dem grauenvollen Mordgeschehen zuzusehen. In den Dörfern rund um Grafeneck ging das Leben weiter wie zuvor. Von der Geheimaktion wussten nur wenige und doch ahnten viele etwas.

Heute fragen Besucher_innen immer wieder, ob so etwas wieder möglich wäre. Markus Mörike, der Leiter der Dokumentationsstelle, sagt, „es geht dabei um den Wert des Lebens.“ Und genau um diese Frage geht es auch, wenn heute im Mittelmeer Menschen ertrinken und Boote nicht in die Häfen gelassen werden. Heute leben in Grafeneck wieder rund 80 behinderte Menschen, die vom Samariterstift betreut werden. Im Schloss möchte Mörike einen Ort schaffen, an dem über den Wert und die Würde des Lebens diskutiert und nachgedacht wird – einen Ort, an dem Bildungsveranstaltungen und Seminare stattfinden können. Wenn es um Unterstützung geht, bin ich dabei!

Nach dem Grauen von Grafeneck boten die Alpakas von Herbert Ruch einen beruhigenden Ausgleich. Inmitten der Herde von rund 40 Stuten und sieben Fohlen fühlten wir uns alle wohl. Zumal gerade am Morgen ein neues Fohlen geboren worden war. Das stakste auf seinen jungen Beinen noch sehr unsicher herum, und ich hatte wieder etwas zum Knuddeln. Die Ruhe bei den Tieren beruhigte uns alle wieder etwas, so dass wir uns alltäglicheren Themen widmen konnten.

Nächste Station war die Biogasanlage von Dennis Striebel in Buttenhausen. Seit 2006 betreibt der Bauer eine große Biogasanlage. Mit der Wärme werden eine Schule und der Kindergarten geheizt. Striebel verzichtet möglichst auf den Mais in seiner Biogasanlage. Stattdessen nimmt er Gras. Und neuerdings macht er auch Bienenstrom. Das heißt, er sät Blumenwiesen aus, die im September gemäht werden, und das Blumenheu landet dann in seiner Anlage und wird zu Gas und dann zu Strom.  Blumenwiesenkönigin Sandra Wild fand das toll. Immerhin wirbt sie als Repräsentantin des Vereins Blumenwiesen-Alb dafür, dass die Qualität und Schönheit der Wiesen auf der Schwäbischen Alb im Sinne einer umfassenden Nachhaltigkeit erhalten bleiben. Im Garten der Striebels haben wir noch diskutiert – natürlich über die Landschaftspolitik. Und dann ging es schon ins Cafè Ikarus in Buttenhausen, in dem behinderte Menschen der BruderhausDiakonie beschäftigt sind.

Unweit vom Café liegt Haus Liesental, in dem die BruderhausDiakonie psychisch kranke und geistig behinderte überwiegend ältere Menschen betreut. Sechs ältere Herren und 32 Frauen leben hier – die älteste von ihnen ist 94, die jüngste 35 Jahre alt. Da das Haus über die Pflegekasse finanziert wird, so erläutert Markus Rank, Fachbereichsleiter bei der BruderhausDiakonie für die Sozialpsychiatrie Ermstal/Alb, werden ihnen nur Altenpfleger als Stellen finanziert. Heilerziehungspfleger, wie sie die Eingliederungshilfe finanziert, werden von den Pflegekassen nicht anerkannt – und daher auch nicht bezahlt. Das ist ein Dilemma, meint auch Anja Bergmann, die Pflegedienstleiterin im Haus Liesental.

Danach ging es zum Gemeinschaftsacker am Ortsrand von Münsingen. Dort wachsen neben wunderschöne Blumen x verschiedene Kohlsorten, Kürbisse, Kartoffeln, Salate, Kräuter und Mangold auf dem Stück Land von Biobauer Karl-Heinz Pfleiderer. Das gemeinschaftliche Bewirtschaften des Ackers hat er in einem VHS-Kurs angeboten. „Das hat echt eingeschlagen“, sagt Pfleiderer. 22 Leute machen inzwischen mit. Kleine Kinder sind dabei, die mit dem Schäufele kratzen. Und eine ältere Dame, die sich mit ihren 80 Jahren mit großer Liebe um ihre Pflanzen kümmert. Alle beackern ein, zwei Reihen des Ackers. Und natürlich ist alles Bio. Ein Schild am Rand beschreibt sein Erscheinungsbild: „Dieser Acker ist bunt und wild“.

Bunt und wild ging es abends dann auch noch in Gomadingen auf dem Dorfabend zu. Die neue Wacholderkönigin Anja wurde gekrönt. Und auf der Lauter fand das alljährliche Quietsch-Enten-Rennen statt.