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31.07.2018

Albtour 2018 - Tag 8

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Der achte Tag meiner Albtour war laut Wetterbericht der heißeste Tag des Jahres. Schon auf dem Weg zum Landgasthof und Albmetzgerei in Gächingen kamen wir ganz schön ins Schwitzen. Im Kühlhaus von Ludwig Failenschmid konnten wir zwar etwas abkühlen. Doch schon ging es weiter nach Ehestetten, wo wir im Bio-Restaurant Rose zu Mittag aßen. Vor Ort besuchten wir noch die Biogasanlage von Manfred Kloker und die Sphäre von Maria Tress. Am Abend hatte ich dann ein Fachgespräch zur „Weidetierprämie“ im Lamm in Ödenwaldstetten.

Bei Ludwig Failenschmid geht es um die Wurst. Und die stammt von Tieren, die auf der Alb leben – und ist hausgemacht. In seiner Albmetzgerei wird noch selbst geschlachtet. In weißen Mäntelchen verpackt und mit kleinen Hütchen versehen dürfen wir bei ihm hinter die Kulissen sehen. Da brodeln in einer Küche die Soßen und Brühen. Eine richtig gute Fleischbrühe simmert hier rund 48 Stunden, bis sie den richtigen Geschmack hat. Nebenan wird gerade Wurst gemacht. Und einen Raum weiter liegt das Schlachthaus. Hier werden pro Woche rund 45 Schweine, acht Rinder und drei Büffel geschlachtet. Und deren Fleisch wird dann gepökelt, geräuchert oder landet frisch im Kühlhaus. Die Salamis von Failenschmid haben Seltenheitswert, denn sie werden noch selbstgemacht und nicht, wie sonst üblich, industriell gefertigt. Und sie schmecken sensationell. Geht es um das Metzgerhandwerk, dann sieht Failenschmid große Probleme auf die Zunft zukommen. 97 Prozent der Schlachtungen in Deutschland sind schon heute industriell, erzählt er. Solche wie er, so prophezeit er, werden in den nächsten Jahren zusehends aussterben. Außerdem ist es schwer, Auszubildende zu finden. Mit viel Glück hat er gerade zwei Auszubildende im Betrieb. Und zum 1. September beginnt ein junger Familienvater aus Kabul seine Lehre bei ihm. Der sollte ursprünglich abgeschoben werden, doch Failenschmid setzte sich für den neuen Lehrling ein und verhinderte die Abschiebung. Immerhin ist so vielleicht doch noch für Nachwuchs gesorgt im aussterbenden Metzgerhandwerk.

Die Tour von Gächingen nach Ehestetten war recht schweißtreibend und so genossen wir die Pause im Garten des Bio-Restaurants Rose in Ehestetten. Nicht weit von der Rose vergären Mais, Gülle und Gras beim Biogaser Manfred Kloker. Seit 2004 produziert der Bauer Strom und Wärme. 2,5 Millionen Kilowatt Strom gehen von ihm aus ins Netz. Für die 1,5 Millionen Kilowatt Wärme fanden sich zunächst keine Abnehmer. Bis die Idee des Nahwärmenetzes geboren wurde. Kloker investierte kräftig in Leitungen und Anschlüsse und versorgt heute rund die Hälfte der Einwohner_innen von Ehestetten mit Nahwärme. Darunter auch das Bio-Hotel Rose und den örtlichen Kindergarten.  Ein Computerprogramm kontrolliert seine Anlagen und die Wärmeanschlüsse. So kennt er genau die abgenommene Wärme und kann Fehler beheben.  

Von lauten Motoren und technischen Details verabschiedeten wir uns, um sodann in die ruhige Oase der Sphäre einzutauchen. Maria Tress hat mit ihrem Cafè ein Kleinod im Ort geschaffen, das auch die Einwohner_innen zu schätzen wissen. Bei Kaffee und Kuchen genießt so manch ältere Dame aus dem Ort ihre Sonntagnachmittage in Tress kleinem Gärtchen. Von einer Kastanie überdacht sitzen auch wir hier und genießen frisch gebackene Kuchen und selbstgemachte Holunderlimonade. Als Tress mit ihrer Sphäre begann, ging es ihr um Dreierlei: die Natur, die Kunst und alte Möbel. Die Natur der Biosphäre nutzt sie, um aus Quitten, Schlehen oder Holunderblüten Liköre und Sirup zu brauen. Und sie mischt Wildkräutersalze zusammen, für die sie Girsch, Brennnesseln, Dost oder Schafgarben trocknet und verarbeitet. Künstler finden in der Sphäre einen wunderschönen Ausstellungsort. Als kleine aber feine Galerie für Künstler von der Alb hat sich die Sphäre schon einen Namen gemacht. Ab September sind etwa Bilder von Gabriele Einstein hier zu sehen. Und außerdem restauriert Tress alte Möbel, die sie in den Bauernhäusern der Umgebung findet.

Zurück im Lamm in Ödenwaldstetten blieb etwas Zeit zum Duschen und schon begann das Fachgespräch zur Weidetierprämie. Es kamen viele Schäfer_innen und es wurde lebhaft diskutiert.  Dr. André Baumann, Staatssekretär im Umweltministerium von Baden-Württemberg, stand ganz klar aufseiten der Schäferei. Denn ohne die Schafe gibt es keine Kulturlandschaften wie die Wacholderheide oder den Kalkmagerrasen. Wo möglich, versucht das Land zu fördern. Und es setzt sich auch für Weidetierprämien ein. Auch ich unterstütze die Schäferei. Denn es kann einfach nicht sein, dass Schäfer_innen im Durchschnitt nur 6,20 Euro pro Stunde verdienen, wie der letzte Schäfereireport herausfand. Dagegen muss dringend etwas unternommen werden. Denn niemand sollte weniger als den Mindestlohn verdienen. Das ist einfach nicht gerecht.  

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