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26.07.2019

Albtour 2019 – Tag 3

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Holzbrillen stehen mir gut zu Gesicht. Das fand ich am dritten Tag meiner Albtour bei einem Besuch des Optikerladens Gut heraus. Danach besuchten wir das Nähativ by Franzi, eine kleine Näh- und Stickwerkstatt, in der alles bestickt wird, was Franzi unter die Finger kommt. Weiter ging es zur BruderhausDiakonie in Buttenhausen, wo wir das „atelier artig“ besuchten. Danach fuhren wir noch auf den Truppenübungsplatz, um Schäfer Gerhard Stotz und seine Herde zu treffen. Und am Abend hatte ich zum Fachgespräch „Geburtshilfe auf der schwäbischen Alb“ eingeladen.

Thomas Gut ist Optiker- und Uhrmachermeister, in zweiter Generation. Vor 25 Jahren übernahm er am Marktplatz von Münsingen das Geschäft seiner Eltern, vor fünf Jahren kreierte er seine erste Brille aus Wacholderholz. Und das war von Anfang an eine ganz sinnliche Angelegenheit. Denn Wacholderholz duftet ganz wunderbar, es hat extrem viele kleine Astlöcher und gewinnt dadurch ein sehr interessantes Äußeres und es ist extrem zäh und flexibel – wie gemacht für eine sehr leichte Brille. Kleine Intarsien aus Böttinger Marmor verzieren die Brillenbügel manchmal – und damit wird die Brille erst recht zu einem echten Biosphären-Kind. Wer sich solch eine Manufakturbrille kauft, besitzt ein schwäbisches Original, das es jeweils nur einmal gibt. Ich bin begeistert von so viel schwäbischer Innovation – zumal hier altes Handwerk und Digitalisierung Hand in Hand gehen: denn die Brillengläser werden völlig digitalisiert mit modernsten Geräten hergestellt.

Digitalisiert geht es auch bei Franziska Schuller zu. Denn die Mutter dreier Kinder aus Münsingen entwirft ihre Stickobjekte seit drei Jahren am PC, um im Anschluss ihren Stickcomputer mit diesem Design zu füttern. Kleinere Objekte stickt die Maschine dann in drei Minuten ganz exakt und genau. Mein Team und mich überraschte Franzi mit einigen kunterbunten kleinen Handtüchern, die je mit einem Fahrrad und den Worten Alb-Tour 2019 bestickt sind. Ich war völlig baff und freue mich riesig. Bestickt wird in der kleinen Werkstatt alles, von T-Shirts und Handtüchern bis hin zu Taschen, Schürzen oder Turnschuhen. Verkauft werden die schönen Dinge über das Internet.

In Buttenhausen wurden wir zur Mittagszeit in der BruderhausDiakonie mit einem Buffet empfangen. Ein paar Schritte weiter lag das „atelier artig“, in dem Menschen mit Behinderungen und Senior_innen malen, zeichnen und schreiben. Sarah Boger von der Bruderhausdiakonie begleitet die Künstler_innen bei ihren kreativen Experimenten. Etwa Helga Kraus, die 2015 für ihr Bild „Die Braut“ den Lothar Späth Preis bekommen hat, und uns erzählt dass sie sich damals von den Gemälden von Frieda Kahlo inspirieren ließ. Der Schauspieler Charles Brauer überreichte ihr damals den Preis und kaufte „Die Braut“ prompt. Auf 50 Ausstellungen waren Bogers Künstler_innen schon zugegen – und im Oktober werden elf Werke aus Buttenhausen auch in Reutlingen zu sehen sein, bei der Ausstellung zum Wettbewerb „Heimat – Land- Kreis“. Klaus Rexien wird dort auch mit einem Werk vertreten sein.  Er arbeitet schon seit 22 Jahren, also von Anfang an, im Atelier mit und hat für unseren Besuch die „Sonnen Blume Abstrakt“ gemalt. Als er mir das Bild geschenkt hat, war ich sprachlos. Ich habe mich wirklich sehr gefreut!

Im Anschluss an den Atelierbesuch diskutierten wir noch die Situation der sozialpsychiatrischen Versorgung in der Region. Markus Rank, Fachbereichsleiter der Sozialpsychiatrie und Behindertenhilfe in Buttenhausen, und sein Chef, Christian Freisem, erzählten uns, dass im letzten Jahr in der Region rund 163 Menschen das Angebot des sozialpsychiatrischen Dienstes in Anspruch genommen haben. Auffällig ist, dass immer mehr ältere Menschen die Angebote des sozialpsychiatrischen Dienstes wahrnehmen möchten. Doch einfach ist das nicht, denn oft bestehen lange Wartezeiten, bis ein Termin frei ist. Und das liegt nicht zuletzt an der Finanzierung. Denn 2018, so betont Rank, waren 25 Prozent der Kosten nicht refinanziert. Das ist so wirklich nicht okay. Hier werde ich nachhaken.

Auf dem Truppenübungsplatz in der Nähe von Gruorn trafen wir am Nachmittag dann Schäfer Gerhard Stotz mit seiner Herde. Wieder einmal sollte ich schätzen, wie viele Tier bei ihm waren und wieder einmal habe ich mich verschätzt. Ich sagte 250, tatsächlich waren es 650 Schafe. Und das ist für Stotz noch eine kleine Herde. Das Fleisch seiner Tiere wird an hochwertige Gastronomie auf der Alb verkauft, die Wolle wird zwar in Belgien und Frankreich verarbeitet, aber auf der Alb dann etwa bei Flomax in St. Johann verarbeitet. Es ist immer wieder schön, bei Stotz und seiner Herde – inmitten einer traumhaften Kulturlandschaft, umgeben von Schafen, Natur und viel Ruhe.

Zum Abschluss des Tages habe ich im Hotel Herrmann zum Fachgespräch „Geburtshilfe auf der schwäbischen Alb“ eingeladen. Denn die Geburtsstation in Münsingen wurde geschlossen. Dabei gehört die Geburtshilfe vor Ort doch einfach zur Daseinsvorsorge. Die Hebammen unter den Gästen erklärten unisono, dass sie schon heute bis zum Februar kommenden Jahres ausgebucht sind. Für schwangere Frauen bedeutet das, sie müssen sich bis zur 10. Woche eine Hebamme suchen, ansonsten gehen sie leer aus. Diese Situation ist für die Frauen untragbar. Die Hebammen könnten sich nun eine Hebammenpraxis vorstellen, in der sie gemeinsam Geburtsvorbereitung und Nachsorge anbieten können. Die Besucher_innen der Münsinger BI waren da ganz Ohr. Vielleicht wird aus der Idee tatsächlich Realität. Ich bin gespannt und drücke die Daumen.

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