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29.07.2019

Albtour 2019 - Tag 6

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Der sechste Tag meiner Tour de Alb startete mit einem Besuch der Albgänse in Trochtefingen. In der Innenstadt des Ortes residiert seit 52 Jahren der Hutmacher Hans Schweizer, bei dem wir ebenfalls vorbeischauten.  Weiter gings zum Alb-Gold, um dort etwas zu essen und den Kräutergarten zu bewundern. Nach einer Kaffeepause am nahen Lauchertsee radelten wir nach Steinhilben, um den dortigen Alblikör zu kosten. Und zu guter Letzt schauten wir noch spontan bei Willi Wolf in Hohenstein vorbei. Am Abend hatte ich dann eingeladen zum Fachgespräch: „Insektensterben und Artenvielfalt“.

Der Tag begann wieder einmal ganz haptisch: Auf der Wiese der Albgänse am Ortsrand von Trochtelfingen durfte ich einer jungen Gans durch den zarten Federflaum streicheln. Markus Erdmann hält hier Jahr für Jahr rund 120 Gänse. Jetzt sind sie gerade mal sechs Wochen alt, zu St. Martin werden die ersten von ihnen geschlachtet. Die anderen Gänse trauern dann, erzählt Erdmann. An seinen Gänsen hängt sein Herzblut. Sie bekommen nur gutes Futter und grasen das ganze Jahr über auf saftigen Sumpfwiesen. Selbst ein Bach zum Schwimmen gehört zum Albgänse-Revier. Die Gänse sind Erdmanns Hobby. Tags schafft er. In der Freizeit kommt die Albgans – und der Regiomat. Der steht vor Erdmanns Haus direkt am Talweg und ist so etwas, wie früher die Kiste mit frischen Eiern vorm Haus, nur größer und moderner. Der Regiomat wird von Erdmann befüllt und bietet 24 Stunden am Tag regionale Produkte aus dem Automaten. Wer Geld einwirft, bekommt hier vom Hühnerei über Kartoffeln und selbsteingekochte Marmelade bis hin zum frischen Schweinefleisch und den Spaghetti aus eigener Produktion alles, was die Region so bietet.

Mitten in Trochtelfingen findet sich ein kleines Lädchen, das berstend voll von Hüten ist. Hier finden sich Strohhüte neben Melonen, Schäferhüte neben Zylindern für Kaminfeger und Hüte für Musikkapellen neben Chapeau Claques. 1883 wurde der Laden vom Hutmacher Heinzelmann gegründet. Dessen Tochter heiratete den Onkel von Hans Schweizer. Und der wiederrum übernahm den Laden 1967 von seinem Onkel. Schweizer ist heute rüstige 84 Jahre alt und meint, er will den Laden noch so lange weiterführen, wie es ihm die Gesundheit erlaubt. Schaffen, das stand für ihn immer an erster Stelle. Und er ist stolz darauf, dass man in ganz Baden-Württemberg weit laufen muss, um so ein Geschäft wie das seine zu finden. Der Laden „Hut und Schirm“ ist einfach einmalig.

Nach einem Mittagsimbiss im nahe gelegenen Alb-Gold führt uns Christel Ehlers durch den bunt blühenden Kräutergarten. Auf zwei Hektar Fläche stehen hier kunterbunte Blumen und feine Kräuter in wilder Mischung neben alten Gemüsesorten. Da ist zum Beispiel der rote Meier, den niemand mehr kennt. Ein altes Amaranthgewächs, das wie Spinat oder Mangold schmeckt. Dann gibt es noch die blaue Anneliese, eine alte violette Kartoffelsorte, oder das Ulmer Ochsenhörnchen, so heißt ein Rettich. Wir probieren und riechen uns durch den Garten. Die Limonadenpflanze etwa schmeckt ein wenig nach Lakritze. Wer hätte das gedacht.

Unsere Kaffeepause verlegten wir an den idyllischen Lauchertsee. Dort trafen wir Christoph Niesler, den Bürgermeister von Trochtelfingen und unterhielten uns kurz über die tolle Freizeitanlage am See, die Regional-Stadtbahn und bessere Anbindungsmöglichkeiten, die die ländliche Region der Alb dringend braucht. Niesler begleitete uns noch zu unserer nächsten Station, der Steinhilber Alblikör Manufaktur von Ewald Heinzelmann. Begrüßt wurden wir mit einem Gläschen Sekt mit Erdbeer- oder Löwenzahnsirup. Bei Likören und Sirups liebt es Heinzelmann zu experimentieren. Neben Himbeeren, Schlehen, Aronia oder Johannisbeere aus dem eigenen Garten macht er Liköre auch aus Wacholderbeeren, Löwenzahn oder Sellerie. Für drei Liter Löwenzahnsirup braucht er 750 Löwenzahnblüten. Wir dürfen riechen und probieren. In einem Fass schwimmen Himbeeren im Alkohol und duften betörend. Und sie schmecken auch so.

Auf unserem Rückweg schauen wir unangemeldet noch bei Willi Wolf in Hohenstein vorbei. Ich freu mich riesig, ihn zu sehen. Denn Willi will seinen Hof verkaufen, habe ich gehört. Und es ist wahr, Reitbetrieb und Immobilien sind schon so gut wie verkauft. Nur seine Büffel behält er. Und er hat einen neuen alten Chevrolet, Baujahr 54. Mit dem will er sich im nächsten Sommer auf den Weg zum Nordkap machen. Falls wir uns vorher nicht mehr sehen: Ich wünsch dir eine gute Fahrt, Willi Wolf!

Am Abend trafen wir uns dann im Gasthof Lamm zum Fachgespräch „Insektensterben und Artenvielfalt“. Die eingeladenen Naturschutzinitiativen fanden leider keine Zeit zu kommen. Gerade Insekten sind vom Artensterben besonders stark betroffen. Ein Drittel vom ihnen ist inzwischen ausgestorben, ein weiteres Drittel ist ernsthaft gefährdet. Die Landwirte sind dabei Täter und Opfer zugleich, denn einerseits sorgen Pestizide für den Insektentod, andererseits braucht die Landwirtschaft die Insekten. Landwirt Peter Werner will dagegen etwas tun. Er initiierte im März dieses Jahres zusammen mit Christoph Loser und vielen Landwirten gemeinsam die „Blühende Alb“. Unter diesem Namen schlossen sich 45 Landwirte aus der Umgebung Römerstein zusammen, um ihre Produktion und die Artenvielfalt in Einklang zu bringen. Nach und nach wuchs die Initiative auf 100 beteiligte Bauern an, die inzwischen an ihren Feldrändern Blütenstreifen von Römerstein bis Stuttgart angepflanzt haben. Hier bekommen Insekten wieder eine Zukunft.

Eine andere Initiative starteten die Stadtwerke Nürtingen mit dem Bienenstrom. Hier wird nicht auf Subventionen aus der EU gesetzt. Die Stadtwerke wollen es privatwirtschaftlich stemmen. Bienenstrom entsteht aus Blühflächen, die gemäht in Biogasanlagen zu Strom verwandelt werden. Da Blühflächen nur 50 Prozent vom Maisertrag bei der Stromproduktion bringen, ist der Bienenstrom etwas teurer. Wer sich für ihn interessiert, zahlt zum Ausgleich für die Landwirte einen Cent pro Kilowattstunde mehr für den Strom. Dafür bezieht er reinen Ökostrom und hilft den Bienen. Rund 20 Hektar Blühfläche produzieren bisher Bienenstrom. Geht es nach den Initiatoren, soll das Projekt bundesweit ausgedehnt werden.

Beide Initiativen können das Insektensterben allein nicht stoppen. Die Landwirte verwiesen in der Diskussion immer wieder darauf, dass Artenvielfalt auch ein Kostenfaktor für sie ist. Die Gesellschaft muss sich daher letztlich Gedanken darüber machen, was ihr die Biodiversität wert ist. Und natürlich ist auch die Politik gefragt. Sie muss die notwendigen Rahmenbedingungen so ausgestalten, dass die Landwirtschaft für Artenschutz auch belohnt wird.

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  1. Beate Müller-Gemmeke
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