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02.08.2019

Albtour 2019 - Tag 9

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Am vorletzten Tag haben wir insgesamt 82 Kilometer mit dem Rad zurückgelegt. Das war anspruchsvoll. Zuerst besuchten wir die Schafherde der Mackensens auf der Wacholderheide. Dann ging es zu den künftigen Weihnachtsbäumen bei der Albtanne bei Römerstein. Beim BeckaBeck in Bad Urach gab es einen Mittagsimbiss und ein interessantes Gespräch. Und danach besuchten wir ums Eck den Messerschmied Dennis Naumann. Zu Limo und Brezeln hielten wir danach bei der Dorfbäckerei Tiefenbach in St- Johann an. Und am Abend statteten wir noch den Yaks auf dem Göllesberg einen Besuch ab.

Lasalle und Oda hatten die Schafe in der Wacholderheide bei Gomadingen heute Morgen voll im Griff. Wenn Johanna von Mackensen ihren beiden Hütehunden etwas zurief, reagierten die prompt und trieben die Schafe dorthin, wo sie hinsollten. Auf der Heide vor uns weideten 450 Lämmer und rund 600 Mutterschafe. Auf den ersten Blick sieht es eigentlich nach viel weniger Tieren aus. Mackensens Tiere sind Demeter-zertifiziert und liefern somit Biofleisch. Verkauft wird dieses Fleisch mittlerweile unter dem neuen Lable „Alb gemacht“. Gegründet wurde diese Marke im November letzten Jahres, so erzählte uns Thomas von Mackensen. Inzwischen sind rund elf Erzeuger und Verarbeiter bei „Alb gemacht“ dabei, und die produzieren Milch, Weine, verschiedene Mehle, Streuobstapfelsaft und Maultaschen. Käse, Kartoffeln und Backwaren kommen demnächst noch hinzu. Angeschlossen hat sich außerdem im Vertrieb Rewe Südwest. Wer „Alb gemacht“ als Logo verwenden will, muss bestimmte Kriterien erfüllen, die regelmäßig überprüft werden. Alles muss aus der Region kommen. Alles muss gentechnikfrei sein und durch die Anbauweise für biologische Vielfalt und das Tierwohl sorgen. „Alb gemacht“ ist dabei nicht gleichzusetzen mit einem Bio-Lable, Bio sind nur Schinken, Salami oder das Fleisch vom Lamm der Mackensens. Wer „Alb gemacht“ kauft, so erklärt Mackensen die Philosophie, der erhält die Artenvielfalt und schützt unsere Insekten Eine tolle Initiative ist das – und sie passt sehr gut ins Biosphärengebiet auf der Alb.

Auf der Grenze zwischen Römerstein und Hengen trafen wir anschließend Martin Länge und seine Frau Vesna Trost auf ihrer Weihnachtsbaumplantage. Rund 7000 Weihnachtsbäume wachsen bei Länge auf einem Hektar Fläche heran – und zwar ganz ohne Glyphosat. Gegen das Unkraut helfen ihm einige Shropshire-Schafe, die durch die Tannen und Fichten streifen. Ihre Besonderheit: Diese Schafe fressen keine Fichtenknospen und keine Rinde. 15 verschiedene Baumarten wachsen bei Länge heran. Da gibt es etwa die seltene Korktanne, die serbische Fichte oder die Frasertanne, deren Nadeln nach Zitrone riechen. Die Küstentanne aus Nordamerika wächst schnell und kommt sehr gut mit Hitze und Trockenheit klar. Und die Schwarzkiefer wird gerne von denjenigen gekauft, die ansonsten auf Nadelgehölz allergisch reagieren. Verkauft werden die fairen Christbäume auf Märkten und vor allem an den Adventssonntagen auf der Weihnachtsbaumplantage selbst. Bei Punsch und roter Wurst kann sich dann jede Familie und natürlich auch jede Nicht-Familie ihren Baum hier selbst schlagen.

Bei BeckaBeck in Bad Urach hockten wir dann für einen kleinen Mittagsimbiss auf dem Marktplatz und ich fachsimpelte mit Heiner Beck über die Biohöfe der Alb. Viele sind das nicht – rund zehn Prozent der Landwirte produzieren rein biologisch. Dabei lohnt sich Bio – die Milch erzielt immer höhere Preise als konventionelle Milch. Da viele Bio-Bauern aber genug davon haben, immer die gleichen vier beherrschenden Lebensmittelkonzerne mit den großen Molkereien zu beliefern, haben sich jetzt fünf Bio-Milchbauern von der Alb auf den Weg gemacht, eine eigene Bio-Molkerei  zu gründen. BeckaBeck unterstützt die Idee. Und ich finde sie sensationell.  Legt los. Ich bin überzeugt davon, diese Molkerei wird ein Gewinn für die Region.

Vom Marktplatz aus gingen wir zu Fuß zu Dennis Naumann. Der Industriemechaniker hat ein Hobby, er macht Messer. Messerstahl wird bei ihm zum Rohling und den schmiedet er im Garten so lange, bis der Stahl sich verdichtet und sich zur Schneide verjüngt hat. Auch die Griffe seiner großen Messer feilt und schmirgelt er selbst. Vom Flacheisen bis zum Messer braucht er inzwischen sechs bis acht Stunden. Naumann verkauft seine Messer auf Märkten und nimmt auch Auftragsarbeiten an. Und wie es der Zufall so will, stolpere ich sogar in den Winkeln meiner schwäbischen Alb über Hinweise auf die Grünen im Bundestag. Denn plötzlich meldet sich Naumanns Mutter Irmgard zu Wort und erzählt, dass sie früher mal die Lehrerin vom Cem Özdemir war.

Von Bad Urach ging es wieder steil bergauf zurück auf die Höhen der Alb. Dieser Aufstieg war schon hart. In St. Johann-Würtingen hatten wir uns dann eine Pause in der Dorfbäckerei Tiefenbach verdient. Bäcker Philipp Tiefenbach macht wohl die besten Brezeln der gesamten Umgebung. Ein Kunde kommt immer wieder extra aus der Schweiz angereist, um sie sich zu kaufen. Tiefenbach verarbeitet nur regionale Produkte. Seit 2010 existiert seine Dorfbäckerei in St. Johann. Seit 1896 waren in seinem Haus immer wieder kleine und später größere Bäckereien untergebracht. Heute beherbergt die große völlig umgebaute Backstube einen großen modernen Etagenbackofen – der ganze Stolz von Tiefenbach. Sein Brot, die Brezeln, Croissants oder Brötchen werden alle von Hand gemacht. Samstags und sonntags kommt die Backstube auf 400 bis 600 Weckle. Das ist schon einiges an Handarbeit. Doch erst, wenn mehr als 1000 Brötchen bestellt werden, wirft Tiefenbach die Brötchenmaschine an. Das ist noch echtes Backhandwerk aus der Region.

Zum Abschluss unserer heutigen Tour trafen wir Gerald Vöhringer und seine Yaks auf dem Göllesberg. 50 grunzende Tiere stehen derzeit auf seinen Weiden. Ursprünglich sind Yaks in Tibet und Nepal beheimatet. Aber die schwäbische Alb mit ihrem Schnee mögen sie auch gut leiden. Heute Morgen wurde wieder ein junges Kälbchen geboren. Es stakste auf dünnen Beinen über die Weide, ganz schwarz mit einem zarten weißen Streifen, der sich über Kopf und Rücken zieht. Das jüngst Yak-Kälbchen heißt Max – wie mein jüngster Sohn. Wir werden Max ganz sicher nächstes Jahr wieder besuchen und die Ruhe dieser Herde genießen.

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  1. Beate Müller-Gemmeke
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