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10.04.2018

Fachgespräch: Wohnungslosigkeit

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Wohnungslosigkeit bedeutet Armut. Etwa eine Million Menschen leben ohne ein Dach überm Kopf. Das ist extrem viel für ein so reiches Land wie Deutschland. Auch in Reutlingen sind die Zahlen hoch. Deshalb habe ich die Expert_innen von vor Ort – von der Arbeiterwohlfahrt, Sozialamt, Diakonie – zu einem Fachgespräch eingeladen. Obdachlosigkeit ist längst kein Randgruppenproblem mehr, sondern in der Mittelschicht angekommen. Denn bei immer mehr Menschen reicht das Einkommen nicht mehr aus für die teure Miete. Aber es gibt auch noch andere Gründe dafür.

Erster Aspekt: Wohnen wird teurer, aber die Einkommen halten nicht mit. In Reutlingen sind 50 bis 60 Prozent der Betroffenen Alleinstehende, der Rest Alleinerziehende und Familien. Bei Letzteren geht der Trend rasant nach oben. Selbst mit mittlerem Einkommen sind viele nicht mehr in der Lage, sich eine Wohnung zu leisten. Vor allem für kinderreiche Familien ist es schwer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Erstes Fazit: Der Mindestlohn muss spürbar steigen und ebenso die Löhne insgesamt im unteren Bereich. Hier ist die Bundesregierung in der Pflicht.

Zweiter Aspekt: Gründe für Wohnungsverlust sind auch Sucht, Überschuldung, immer mehr auch psychische Probleme. Es kommt viel zusammen. Diese Menschen einfach nur in eine Unterkunft einzuweisen, reicht nicht aus und löst keine Probleme. Sie brauchen umfassende Unterstützung – Beziehungsarbeit. Die Unterbringung von Obdachlosen ist aber eine rein ordnungsrechtliche Angelegenheit. Für mehr gibt es kein Instrument und auch keine Gelder. Zweites Fazit: Das ist ein ungeklärter Zustand. Hier muss der Gesetzgeber tätig werden.

Dritter Aspekt: In Reutlingen gibt es ein Vorzeigeprojekt der AWO. „Nawo“ – das Netzwerk Ambulante Wohnungssicherung – bietet aufsuchende Hilfe. So konnten viele Menschen und Familien vor Obdachlosigkeit bewahrt werden, indem Mietschulden beispielsweise geregelt wurden. Bisher wird das Projekt mit europäischen Mitteln finanziert. Die laufen aber Ende 2018 aus. Drittes Fazit: Diese präventive Arbeit muss zur Regel werden. Notwendig ist eine verlässliche Finanzierung.

Vierter Aspekt: Jede Wohnung, die entsteht ist gut. Aber sie müssen bezahlbar bleiben – das gilt auch für den Bestand. Alleine werden die Kommunen das aber nicht hinbekommen. Viertes Fazit: Die Kommunen müssen bei diesem Kraftakt mit Subventionen unterstützt werden. Zudem brauchen wir endlich eine Mietpreisbremse, die ihren Namen auch verdient. Und notwendig ist eine neue Wohnungsgemeinnützigkeit, damit wirklich neuer Wohnraum auch bezahlbar ist.

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