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15.04.2017

Geburtshilfe ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe!

Nach einer Erhebung des deutschen Hebammenverbands, aber auch nach den Erfahrungen vieler Frauen, müssen Hebammen in Kliniken zunehmend drei oder mehr Frauen während der Geburt gleichzeitig betreuen. Schwangere fühlen sich dann über weite Strecken der Geburt allein gelassen. Das geht gar nicht. Hebammen brauchen gute Arbeitsbedingungen und schwangere Frauen haben das Recht, sich frei entscheiden zu können, wo und wie sie ihr Kind zur Welt bringen wollen. Für beide – Frauen wie Hebammen – ist eine 1:1 Betreuung wichtig. Wir haben unsere grünen Forderungen in einem Papier zusammengetragen. Denn die Geburtshilfe ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und die nehmen wir ernst.

Die Geburt des eigenen Kindes ist für Eltern eine der prägendsten Erfahrungen im Leben – ein Wechselbad der Gefühle zwischen (Vor-)Freude, Erschöpfung und Unsicherheit. Sie wünschen sich daher eine persönliche Begleitung durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, die ihnen einen geschützten Rahmen bietet und ihre Wünsche in den Mittelpunkt stellt. Diese Wünsche können aber derzeit oft nicht erfüllt werden.

Immer wieder gibt es Berichte, dass gerade in Großstädten und Ballungszentren einzelne Geburtskliniken zeitweise Frauen mit Wehen abweisen müssen, weil sie überfüllt sind. Die Geburtshilfe gibt es auch nicht mehr flächendeckend, deshalb haben Schwangere teilweise lange Wege, wenn es losgeht. Es gibt Regionen, die mitfreiberuflichen Hebammen unterversorgt sind. Für Schwangere wird es dort zunehmend schwieriger, eine Hebamme für die Wochenbettbetreuung zu finden. Die hohen finanziellen Belastungen durch die Haftpflicht haben in der Vergangenheit – neben der ständigen Rufbereitschaft und der schlechten Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf – bei immer mehr Hebammen und Belegärzt_innen dazu geführt, die Geburtshilfe aufzugeben. Insbesondere kleinere Kliniken mit Belegabteilungen wurden dadurch gezwungen, sich mangels Personal aus der Geburtshilfe zurückzuziehen.

Die Probleme sind groß. Sie müssen gelöst werden und das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Wir wollen:

Die Zahl der Hebammen in Kreißsälen steigern, damit eine 1:1-Betreuung während der Geburt möglich ist.

Die Zahl der Kreißsäle in Ballungszentren ausbauen und zusätzlich die Ansiedlung von Geburtshäusern in räumlicher Nähe zu Kliniken fördern.

Für mehr Hebammen in unterversorgten Regionen sorgen.

Die teuren Haftpflichtversicherungen in der Geburtshilfe sowohl bei Hebammen als auch bei Ärzt_innen in ein öffentlich-rechtliches Haftpflichtsystem für alle Gesundheitsberufe überführen.