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31.03.2016

Kleine Anfrage: Ihre Agentur für Arbeit vermittelt Sie gern in Leiharbeit

Noch immer vermittelt die Bundesagentur für Arbeit Erwerbslose mit Vorliebe in die Leiharbeit. Die angekündigten Korrekturen, zukünftig nachhaltig zu vermitteln, waren also nur Lippenbekenntnisse. Passiert ist gar nichts. Das zeigen die Antworten auf meine Kleine Anfrage an die Bundesregierung.

Seitdem der Vorsitzende des Vorstandes der Bundesagentur für Arbeit (BA), Dr. Frank-Jürgen Weise, Anfang 2013 „Fehlentwicklungen“ einräumte, habe ich die Vermittlung in Leiharbeit im Blick. Seit drei Jahre frage ich nach, denn die Kernaufgabe der Bundesagentur für Arbeit ist eigentlich die nachhaltige Vermittlung in dauerhafte Arbeit. Und dieser Aufgabe wird die BA noch immer nicht gerecht.

Eine Trendwende bei der Vermittlung in Leiharbeit ist immer noch nicht zu sehen. Immerhin bekam im Jahr 2015 fast ein Drittel (32,6%) aller 293.000 Arbeitslosen, die die BA vermitteln konnte, ein Angebot in der Leiharbeit. Obwohl die BA nicht müde wird, Korrekturen bei der Vermittlungsarbeit anzukündigen, war dieser Wert sogar höher als im Vorjahr. Seit 2014 ist es eigentlich auch Zielvorgabe, dass ein vermittelter früherer Arbeitsloser mindestens sechs Monate auf seiner neuen Stelle bleibt. In der Leiharbeitsbranche ist das aber selten der Fall. Rund die Hälfte aller Leiharbeitskräfte ist nach drei Monaten schon wieder arbeitslos. Die angekündigten Korrekturen waren also nur Lippenbekenntnisse. Passiert ist gar nichts.

Die BA bedient die Leiharbeitsbranche außerdem in unverhältnismäßigem Maße. Mehr als 30 Prozent ihrer Vermittlungen gehen in die Leiharbeit. Dabei macht die Leiharbeit gerade mal zwei Prozent der Gesamtbeschäftigung aus. Das ist völlig inakzeptabel. Außerdem sind Leiharbeitskräfte häufiger von Armut bedroht, denn ein Teil von ihnen (6 %) ist auf aufstockendes Arbeitslosengeld II angewiesen. Auch deshalb sollte die BA endlich die Vermittlungen in Leiharbeit reduzieren. Die Menschen brauchen Perspektiven. Und dazu gehört auch, dass sie von ihrem Lohn leben können.