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25.10.2012

Kommentar: Fürchtet Euch nicht! Lasst die Frauen über euch herrschen!

Was die Anzahl der Frauen in Führungspositionen angeht, ist Deutschland im internationalen Vergleich immer noch weit abgeschlagen: Auf kaum vier von hundert Vorstandsposten findet sich hierzulande eine Frau. Dagegen gilt es endlich anzugehen. Auch Deutschland braucht endlich eine Frauenquote!

Frauen und Männer sind gleichberechtigt. So schreibt es seit über 60 Jahren in Deutschland das Grundgesetz vor. In der Realität ist diese Gleichstellung allerdings noch lange nicht verwirklicht. Das brachte auch 350 Journalistinnen dazu, einen Brief an die Chefredaktionen im Lande zu schreiben. Denn immer noch sind nur zwei Prozent der Chefetagen in deutschen Medienunternehmen von Frauen besetzt. In der FAZ sind es sogar 0 Prozent – wen wundert das?! Den Journalistinnen ist das ein Dorn im Auge. Sie wollen mehr weibliche Chefredakteurinnen und Intendantinnen.

Einem männlichen Vertreter der schreibenden Zunft imponierte das. Er appellierte gar an seine Geschlechtsgenossen: „Fürchtet euch nicht! Lasst die Frauen über euch herrschen! Ihr werdet es nicht bereuen!“ Immerhin seien seine Chefinnen wirklich gute Chefs. „Männer neigen dazu, aus jedem Sachproblem ein Machtproblem zu machen“, attestiert er männlichen Chefs. Frauen dagegen seien entspannter. Sie könnten sogar sagen, wenn sie mal keine Idee hätten – sie setzten also auf Teamarbeit.

Im September 2012 gab es in der 900. Sitzung des Bundesrates erstmals eine politische Mehrheit für eine gesetzliche Quote. Der „Entwurf eines Gesetzes zur Förderung gleichberechtigter Teilhabe von Frauen und Männern in Führungsgremien“ aus Hamburg und Brandenburg wurde auch mit Stimmen von unionsregierten Ländern angenommen. Die Bundesregierung hat bisher darauf nicht reagiert. Nun hat die grüne Bundestagsfraktion gemeinsam mit der Fraktion der SPD den Bundesratsantrag wortgleich in den Bundestag eingebracht. Der Entwurf soll für börsennotierte und mitbestimmte Unternehmen gelten. Er enthält lange Übergangsfristen und zwei Quotenstufen (20 Prozent bis 2018, 40 Prozent bis 2023), nur milde Sanktionen und eine Härtefallklausel – damit soll eine Akzeptanz in den Unternehmen erreicht werden.

Dieser Antrag ist ein Kompromissangebot an die Wirtschaft, denn Anerkennung findet der etwas andere – weibliche – Führungsstil in Deutschland noch lange nicht. Denn was die Anzahl der Frauen in Führungspositionen angeht, ist Deutschland im internationalen Vergleich immer noch weit abgeschlagen: Auf kaum vier von hundert Vorstandsposten findet sich hierzulande eine Frau. Dagegen mutet der OECD-Durchschnitt beinahe fortschrittlich an, hier liegt die Frauenquote in den Aufsichtsräten bei immerhin zehn Prozent. Den höchsten Anteil an Führungspositionen haben Frauen in Norwegen, das im Jahr 2006 eine Frauenquote von 40 Prozent eingeführt hat. Auch in Schweden, Frankreich, Finnland und der Slowakei ist der Anteil von Frauen im Top-Management mit 15 bis 20 Prozent vergleichsweise hoch. Eine Reihe von EU-Staaten versucht inzwischen, mithilfe von Gesetzen eine größere Geschlechterbalance in den Vorstandsetagen zu erzielen: In Spanien, Island, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Italien gelten mittlerweile verschiedene Formen der Frauenquote. Und die Europäische Kommission droht den Unternehmen der EU inzwischen ganz offen mit einer EU-weiten verbindlichen Quote.

Die Zeit dafür ist längst reif. Wir brauchen auch in Deutschland eine verbindliche gesetzliche Regelung zur geschlechtergerechten Besetzung von Entscheidungsgremien der Wirtschaft. Nur so lässt sich Umdenken in den Vorstandsetagen befördern und damit die Besetzungspraxis von Entscheidungsfunktionen verändern. Packen wir es an!

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  1. Beate Müller-Gemmeke
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