Ukraine #15: Zerstörung, und der Wille zum Weiterleben

Meine 5. Reise in den Süden der Ukraine zeigt erneut, was dieser Krieg wirklich bedeutet: zerschossene Häuser, schwer getroffene Schulen, zerstörte Infrastruktur. Putins Krieg trifft nicht die Armee, sondern die Gesellschaft, das tägliche Leben. Und doch geben die Menschen nicht auf – wir sehen überall Mut, Würde und Zusammenhalt.

Der Beginn des Winters macht alles noch schwerer. Die russischen Angriffe zielen auf das Leben der Menschen: Strom, Wärme, Wasser. In Mykolajiw ist die Wasserversorgung seit über drei Jahre zerstört – bombardiert, absichtlich, um das tägliche Leben unerträglich zu machen. Deshalb stoppen wir mit Landrätin Anna Koverzneva an einer der Anlagen zur Wasseraufbereitung. Pro Stunde werden hier rund 1.500 Liter gereinigt und auf mehr als 80 Entnahmestellen verteilt. Eine lebenswichtige Infrastruktur, die zeigt, wie viel Hilfe gebraucht wird.

Gemeinsam besuchen wir im Landkreis Mykolajiw in Frontnähe das Dorf Nowohryhoriwka. Es wurde im März 2022 besetzt, die Menschen mussten zwei Wochen in Kellern überleben, bevor ukrainische Soldaten sie befreien konnten. Was wir dort sehen, ist schwer auszuhalten: Häuser, die nur noch Fassaden sind. Dächer, die weggerissen wurden. Einschusslöcher überall. Eine Schule, die komplett zerstört ist. So sieht es aus, wenn Menschen unter russischer Besatzung leben müssen.

Heute sind etwa 165 Bewohner:innen zurückgekehrt. Sie arbeiten daran, ihr fast vollständig zerstörtes Dorf wieder aufzubauen. Besonders beeindruckt hat mich eine junge Frau, die von den Tagen der Besatzung erzählte – und davon, dass sie jeden Morgen dankbar ist, noch zu leben. Denn ein Großteil der russischen Drohnen und Raketen fliegt nachts über ihr Haus. Und trotzdem kümmert sie sich um die Kinder und Jugendlichen im Dorf. Gemeinsam haben sie einen Treffpunkt renoviert, nachdem das Bürgerhaus zerstört wurde.

Diese Menschen geben nicht auf. Sie bauen auf, sie bleiben zuversichtlich, sie halten zusammen. Sie wollen in Freiheit und Frieden leben – und sie sagen uns, wie wichtig es ihnen ist, dass wir kommen, zuhören und ihre Geschichten weitertragen.