Druck, Ausbeutung, Lohndumping – das System hinter der Paketbranche
Millionen Pakete werden jeden Tag zugestellt. Doch hinter der schnellen Lieferung stehen viel zu oft prekäre Arbeitsbedingungen, unbezahlte Überstunden und ein System aus Subunternehmen, das Verantwortung nach unten weitergibt. Die Probleme in der Paketbranche haben System. Es braucht endlich klare gesetzliche Regeln – wie damals in der Fleischindustrie.
Jeden Tag bringen Paketboten Millionen Sendungen zu uns nach Hause. Für viele gehört das längst selbstverständlich zum Alltag: bestellen, klingeln, Paket annehmen. Doch hinter dieser scheinbar reibungslosen Zustellung steckt viel zu oft ein System aus Druck, Ausbeutung und Lohndumping.
Die aktuellen Recherchen des ARD-Wirtschaftsmagazins Plusminus zeigen erneut, unter welchen Bedingungen viele Beschäftigte in der Paketbranche arbeiten müssen. Berichtet wird von unbezahlten Überstunden, extrem langen Arbeitstagen, Mindestlohn-Tricksereien und prekären Unterkünften. Fahrer arbeiten bis zu 14 Stunden am Tag, häufig unter enormem Zeitdruck. Bezahlt werden teilweise nur die Stunden auf der eigentlichen Zustelltour – nicht aber das Sortieren und Beladen der Fahrzeuge. Manche Beschäftigte leben in engen Mehrbettzimmern, für die ihnen zusätzlich Geld vom Lohn abgezogen wird.
Das alles sind keine Ausnahmen. Das Problem hat System.
Die großen Paketdienste lagern die Zustellung häufig an Subunternehmen aus. Diese stehen wiederum unter massivem wirtschaftlichem Druck und geben ihn an ihre Beschäftigten weiter. Genau dort entsteht die Spirale aus Lohndumping, unbezahlter Arbeit und schlechten Arbeitsbedingungen. Oben werden Gewinne gemacht – unten bei den Paketboten wird der Druck abgeladen.
Besonders problematisch ist, dass viele Fahrer abhängig und erpressbar sind. Oft werden Menschen aus dem Ausland mit falschen Versprechen angeworben, sprechen kaum Deutsch und kennen ihre Rechte nicht. Wer sich beschwert, riskiert den Arbeitsplatz oder die Unterkunft gleich mit. Verantwortung wird entlang der Subunternehmerketten immer weiter verschoben – bis am Ende niemand mehr zuständig sein will.
Dabei ist längst klar, dass freiwillige Selbstverpflichtungen nicht funktionieren. Die Branche wird sich nicht von selbst verändern. Deshalb braucht es endlich konsequente gesetzliche Regelungen – ähnlich wie damals in der Fleischindustrie.
Das bedeutet:
Keine Werkverträge und keine Subunternehmen im Kerngeschäft – auch nicht über Leiharbeit. Wer Pakete von A nach B liefert, muss direkt angestellt sein. Mit fairen Tariflöhnen, kontrollierten Arbeitszeiten und menschenwürdigen Unterkünften. Und es braucht ausreichend Beratungsangebote.
Die Zustellung von Paketen ist das Kerngeschäft der Branche. Genau deshalb dürfen Verantwortung und Risiko nicht an Subunternehmen ausgelagert werden. Missbrauch von Werkverträgen darf es in keiner Branche geben.




