Wer ist hier eigentlich „normal“?
Die CDU wirbt bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg mit dem Plakat „Politik für ganz normale Leute“. Doch wer definiert eigentlich, was „normal“ ist? Der scheinbar harmlose Slogan ist politisch aufgeladen. Er stellt die Frage, wer dazugehört – und wer nicht.
Wenn es „ganz normale Leute“ gibt – wer sind dann die anderen?
→ Menschen, die Ananas auf Pizza mögen.
→ Leute mit drei Katzen.
→ Frühaufsteher am Sonntag.
→ Fans von Schlagermusik.
→ Menschen, die 5-minütige Sprachnachrichten verschicken.
→ Menschen, die Steuererklärungen mögen.
→ Leute, die im Februar schon Eis essen.
Ich könnte es noch weiter ins Absurde drehen.
Doch dafür ist das Thema zu ernst. Der Begriff „normal“ ist nicht unschuldig.
Was meint die CDU, wenn sie von „ganz normalen Leuten“ spricht? Wer entscheidet, was normal ist – und was nicht? Der Begriff teilt ein in „dazugehörig“ und „anders“. Es ist der erste Schritt, Menschen abzuwerten und aus dem gemeinsamen „Wir“ heraus zu drängen.
Und genau da wird es problematisch. Denn die Gesellschaft besteht nicht aus einer Norm – sondern aus Vielfalt.
Wer mit „normal“ Politik macht, konstruiert ein Idealbild. Und wer nicht hineinpasst, ist implizit „nicht normal“. Das ist kein Zufall, sondern ein politisches Signal.
Der Begriff bedient ein Gefühl:
„Wir“ gegen „die anderen“.
Die Fleißigen gegen die angeblich Bequemen.
Die Mehrheit gegen die „Nicht-Dazugehörigen“.
Die Etablierten gegen die „Außenseiter“.
Gerade in Zeiten wachsender Unsicherheit ist das gefährlich. Denn aus einem Gefühl von „Normalität“ wird schnell eine moralische Kategorie – und aus moralischen Kategorien werden politische Entscheidungen.
Politik darf keine Linie ziehen und nicht festlegen, wer normal ist. Sie muss für alle da sein – und dafür sorgen, dass alle gut leben können.
Ohne Etikett.
Ohne Abwertung.
Ohne Grenze im Kopf.
Eine moderne Demokratie braucht keine Politik für „ganz normale Leute“.
Sie braucht Respekt für Vielfalt.
Sie braucht Politik für alle.




