Es fehlt nicht an Ideen – es fehlt am politischen Willen

Die Preise an der Tankstelle steigen, die Belastung wächst – und die Merz-Regierung diskutiert tagelang, ohne echte Entlastung auf den Weg zu bringen. Statt klarer Maßnahmen gibt es ein Paket voller Widersprüche, das an den Problemen vorbeigeht. Wer genauer hinschaut, erkennt: Es fehlt nicht an Ideen – es fehlt am politischen Willen.

Es ist schon bemerkenswert, wie diese Bundesregierung mit einer Krise umgeht, die Millionen Menschen jeden Tag spüren. Während sich die Menschen immer mehr Sorgen machen, verheddert sich die Regierung im Streit und verliert wertvolle Zeit. Am Ende steht ein Paket, das nicht greift. Nach langen Verhandlungen bleibt vor allem eins: Ein klarer Plan sieht anders aus.

Viel Streit – wenig Wirkung
Das zentrale Instrument der Regierung ist ein alter Bekannter: der Tankrabatt. Eine befristete Senkung der Energiesteuer – für ein paar Wochen. Das klingt nach Entlastung, ist aber vor allem eines: Symbolpolitik.

Der Tankrabatt setzt die falschen Anreize. Statt Energie zu sparen, wird der Verbrauch künstlich verbilligt – mit der Folge, dass Preise an anderer Stelle weiter steigen können. Besonders hart trifft das Menschen mit kleinen Einkommen.

Zudem hat sich schon 2022 gezeigt, dass ein Teil dieser Entlastung gar nicht bei den Menschen ankommt, sondern bei den Mineralölkonzernen hängen bleibt. Genau dieses Risiko geht die Regierung wieder ein – ohne Sicherheit, dass die Preise tatsächlich sinken.

Wichtig ist auch, was fehlt: 2022 gab es zusätzlich einen sozialen Ausgleich – mit dem 9-Euro-Ticket und der Energiepreispauschale. Heute steht der Tankrabatt allein da. Und genau deshalb wirkt er noch ungerechter als beim ersten Mal.

Das ist keine neue Politik. Das ist eine Wiederholung – nur schlechter gemacht.

Entlastung, die viele gar nicht erreicht

Noch absurder wird es bei der angekündigten 1.000-Euro-Prämie. Was nach Hilfe klingt, ist in Wahrheit eine Mogelpackung. Denn diese Prämie ist freiwillig. Arbeitgeber können zahlen – müssen aber nicht. Verbände machen schon heute klar: Das ist nicht ihre Aufgabe. Die Folge: Viele Beschäftigte gehen leer aus.

Und nicht nur das: Auch die Bundesländer winken ab. Für den öffentlichen Dienst wäre die Prämie schlicht nicht finanzierbar – ohne Unterstützung des Bundes. Das Ergebnis ist ein bemerkenswertes Bild: Weder Staat noch Wirtschaft tragen dieses Modell.

Damit wird das eigentliche Problem sichtbar: Diese Entlastung erreicht viele Menschen gar nicht – und verfehlt genau die, die sie am dringendsten brauchen. Das ist kein Detailfehler. Das ist politisches Versagen.

Es geht um mehr als Spritpreise

Diese Politik hat Folgen. Sie verstärkt ein Gefühl: Die Preise steigen – aber die Politik bleibt stehen. Das untergräbt Vertrauen. Und genau das ist gefährlich. Denn wer in Krisen keine Antworten gibt, verliert nicht nur an Glaubwürdigkeit – sondern auch die Menschen.

Was jetzt richtig wäre

Die Lösungen liegen längst auf dem Tisch. Wir brauchen Entlastung, die wirklich ankommt:
eine Senkung der Stromsteuer für alle, gezielte Unterstützung für Menschen mit kleinen Einkommen, ein bezahlbares Angebot im öffentlichen Verkehr und eine Übergewinnsteuer für Konzerne, die an der Krise verdienen.

Das wäre gerecht. Das wäre wirksam. Und das würde den Alltag vieler Menschen spürbar erleichtern. Doch genau diese Stellschrauben lässt die Regierung liegen. Sie reagiert – aber sie gestaltet nicht.

Am Ende geht es um Verantwortung

Politik zeigt sich in Krisen. Nicht in Ankündigungen. Nicht im Streit. Sondern in Entscheidungen. Die Merz-Regierung hat sich entschieden – für ein Paket ohne Richtung, ohne Treffsicherheit und ohne Mut.

So wird sich an den Problemen nichts ändern. Was fehlt, ist ein grundlegender Kurswechsel: weg von kurzfristigen Eingriffen, hin zu einer Politik, die unabhängig macht von teuren fossilen Energien, die das Leben verlässlich bezahlbar hält – und die Sicherheit gibt, auch in der nächsten Krise.

Solange diese Einsicht fehlt, wird die Regierung weiter hinter den Entwicklungen herlaufen.
Und genau daran scheitert diese Politik.