Ernsthaft, Union? Kindererziehung und Pflege sollen bei der Rente weniger zählen?
Die Union diskutiert offenbar einen neuen Vorschlag zur abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren. Sie soll zwar erhalten bleiben, aber Erziehungs- und Pflegezeiten sollen künftig weniger oder gar nicht mehr zählen. Ernsthaft?
Was soll das denn für ein Kompromiss sein? Die Rente nach 45 Jahren auf dem Papier erhalten, aber gleichzeitig die Voraussetzungen verschärfen? Das wäre Etikettenschwindel!
Wer für Kinder da ist oder sich um pflegebedürftige Angehörige kümmert, hat doch nicht einfach frei. Viele Menschen stecken deshalb im Beruf zurück, reduzieren ihre Arbeitszeit oder setzen eine Zeit lang ganz aus. Das kostet Einkommen und später auch Rente.
Und wen würde eine solche Änderung besonders treffen? Frauen. Sie übernehmen noch immer einen großen Teil der unbezahlten Sorgearbeit. Sie sind es, die häufiger beruflich zurückstecken, weil Kinder versorgt werden müssen oder Angehörige Pflege brauchen.
Und jetzt sollen ausgerechnet diese Frauen womöglich auch noch länger arbeiten müssen, weil die Jahre der Kindererziehung oder Pflege bei der abschlagsfreien Rente weniger zählen? Das ist doch völlig absurd!
Bisher ist es richtig geregelt: Für die 45 Versicherungsjahre zählen nicht nur Zeiten der Erwerbsarbeit, sondern unter bestimmten Voraussetzungen auch Kindererziehungs- und Pflegezeiten. Schließlich besteht ein Leben nicht nur aus bezahlter Arbeit. Wer Kinder erzieht oder Angehörige pflegt, übernimmt Verantwortung. Für die eigene Familie, aber auch für unsere Gesellschaft.
Noch ist der Vorschlag nicht beschlossen. Aber schon die Überlegung zeigt, wie schnell bei der Rentendebatte ausgerechnet diejenigen unter Druck geraten, die ohnehin finanzielle Nachteile in Kauf nehmen mussten.
Für mich ist klar: Die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren muss erhalten bleiben. Und dazu müssen auch weiterhin Erziehungs- und Pflegezeiten zählen.
Wer Kindererziehung und Pflege bei der Rente kleinrechnet, tut so, als wäre diese Arbeit weniger wert. Respekt und Anerkennung sehen anders aus.




