Ukraine #17: Zum sechsten Mal in der Ukraine – warum ich immer wieder hinfahre

Sechs Tage, sieben Städte, eine große Delegation und sechs Feuerwehr- und Einsatzfahrzeuge, die dringend gebraucht werden. Wir haben Zerstörung und Trauer gesehen, aber auch Menschen, die nicht aufgeben. Vor dieser Reise hatte ich angesichts der heftigen russischen Angriffe große Angst. Warum ich trotzdem immer wieder hinfahre? Weil unsere Hilfe Leben retten kann. Und weil unsere Besuche den Menschen Kraft geben.

Vor dieser Reise hatte ich wirklich Angst. Die russischen Angriffe auf die Ukraine waren in den Wochen zuvor besonders heftig gewesen. Ich hatte großen Respekt vor der Gefahr. Und trotzdem bin ich zum sechsten Mal in die Ukraine gefahren. Heute bin ich froh darüber. Denn auch diese Reise hat mich tief bewegt.

Sechs Tage waren wir im Süden der Ukraine unterwegs: in Ismajil, Sarata, Arzys, Bessarabske, Odesa, Mykolajiw und Bilhorod-Dnistrowskyj. Unsere Delegation war dieses Mal besonders groß. Erfahrene Mitreisende waren ebenso dabei wie Menschen, die zum ersten Mal in die Ukraine gefahren sind. Bürgermeister, Gemeinderäte, Feuerwehrleute, eine Schulleiterin und ich als ehemalige Bundestagsabgeordnete. Dass so viele Kommunalpolitiker mitgefahren sind, ist ein besonderes Zeichen der Solidarität zwischen unseren Gemeinden und den Menschen in der Ukraine.

Hilfe, die Leben rettet

Ermstal hilft bringt, was vor Ort tatsächlich gebraucht wird. Dieses Mal waren es sechs Feuerwehr- und Einsatzfahrzeuge und viele weitere Hilfsgüter. Bei den Übergaben haben wir erlebt, wie dankbar die Gemeinden für diese Unterstützung sind. Für sie sind das nicht einfach Fahrzeuge. Sie helfen, Brände zu löschen, Verletzte zu versorgen und Menschenleben zu retten. Und sie zeigen den Menschen vor Ort, dass sie nicht vergessen werden.

Gleichzeitig haben wir wieder gesehen, wie viel dieser Krieg zerstört. In Odesa standen wir einmal mehr vor dem schwer beschädigten Hotel am Hafen. Anderswo haben wir erlebt, wie Gebäude wieder aufgebaut werden. Zerstörung und Wiederaufbau liegen oft erschreckend nah beieinander.

Besonders bedrückend waren die Ehrenmale für die Gefallenen. Lange Reihen von Bildern, Namen und Lebensdaten. Viele der Getöteten waren noch jung. Hinter jedem Gesicht steht ein Mensch, der fehlt. Eine Familie, die trauert. So viele Menschen sterben in diesem sinnlosen Krieg. Putin könnte ihn sofort beenden, indem er seine Truppen aus der Ukraine zurückzieht.

Ein Stück Hoffnung vor einem schweren Winter

Große Sorgen bereitet den Menschen der kommende Winter. Nach den wiederholten russischen Angriffen auf die Energieversorgung haben viele Angst vor langen Stromausfällen, kalten Wohnungen und einer ungewissen Versorgung.

Deshalb hat mich eine PV-Anlage auf einer Klinik besonders beeindruckt. Auch Ermstal hilft hat bereits solche Anlagen geliefert. Sie können dazu beitragen, die Stromversorgung vor Ort unabhängiger und widerstandsfähiger zu machen. Gerade angesichts der Angriffe auf die Energieinfrastruktur ist das wichtig. Für mich war dieses Bild auch ein Zeichen der Hoffnung: Die Menschen warten nicht einfach ab, sondern versuchen, sich auf den Winter vorzubereiten und ihre Versorgung selbst in die Hand zu nehmen.

Warum wir immer wieder kommen

Wir hatten auf dieser Reise großes Glück. In Odesa und Mykolajiw gab es während unseres Aufenthalts keinen einzigen Luftalarm. Gerade in diesen Tagen galt eine von Melania Trump vermittelte Waffenruhe für humanitäre Hilfe und Evakuierungen im Bereich Oleschky und Cherson. Das hat sich auch auf Odesa und Mykolajiw ausgewirkt. Die nächtlichen Angriffskarten haben aber gezeigt, dass Russland in anderen Teilen der Ukraine weiter heftig angegriffen hat.

Was mich aber am meisten berührt hat, war wieder die Dankbarkeit der Menschen. Und die haben wir nicht nur bei offiziellen Übergaben erlebt. Nicht nur bei Bürgermeister, Feuerwehrkommandanten oder Klinikleitungen. Sondern auch auf der Straße und auf dem Markt. Menschen haben uns gesagt, wie viel es ihnen bedeutet, dass wir kommen. Dass wir die Mühe und die Gefahren auf uns nehmen, um bei ihnen zu sein.

Diese Begegnungen gehen mir unter die Haut. Sie machen deutlich, dass Solidarität mehr ist als die Lieferung von Hilfsgütern. Es geht auch darum, hinzuschauen, zuzuhören und die Bilder und Geschichten der Menschen weiterzutragen. Unser Kommen stärkt sie und hilft ihnen, durchzuhalten.

Und genau deshalb fahre ich immer wieder in die Ukraine. Weil es einen Unterschied macht, ob wir nur über die Menschen sprechen oder ihnen persönlich begegnen. Weil ich zeigen möchte, was dieser Krieg anrichtet, aber auch, mit welcher Kraft und Entschlossenheit die Menschen ihr Leben weitergestalten.

Von diesen Begegnungen und dem beeindruckenden Engagement der Menschen werde ich in den nächsten Beiträgen erzählen.

Ermstal hilft – jede Unterstützung zählt!

Das beeindruckende Engagement von Ermstal hilft ist nur durch viele Menschen möglich, die sich einbringen und spenden. Wer dazu beitragen möchte, dass weiterhin dringend benötigte Hilfe in der Ukraine ankommt, findet hier alle Informationen.