„Altparteien“ – ein Kampfbegriff gegen die Demokratie

In meinen sozialen Medien stoße ich ständig auf die Formulierung „Altparteien“. Sie wird bewusst benutzt – häufig gegen grüne Politik, oft gegen alles Demokratische. Wer diese rechtspopulistische Rhetorik übernimmt, sollte sich nicht wundern, wenn er so eingeordnet wird. Denn „Altparteien“ ist kein neutrales Wort. Es ist ein Kampfbegriff.

„Altparteien“ – ein gezielter Angriff auf die Demokratie

Das Wort klingt auf den ersten Blick harmlos. Ist es aber nicht.
Die Formulierung pauschalisiert bewusst. Sehr unterschiedliche demokratische Parteien werden gemeinsam – undifferenziert – zum Problem erklärt. Nicht einzelne Entscheidungen stehen zur Debatte, nicht konkrete Politik – sondern das parlamentarische System selbst.

Genau das ist die Funktion dieses Kampfbegriffs: Er richtet sich nicht gegen Politik im Einzelnen, sondern gegen die Demokratie als solche. Wer so spricht, übt keine Kritik, sondern greift die Demokratie an.

Kein Zufall – sondern politische Strategie

Dieser Begriff hat eine Geschichte. Und er hat eine Funktion.
Er wurde immer dann stark, wenn es darum ging, parlamentarische Demokratie verächtlich zu machen: als angebliches Kartell, als abgehobene Elite, als Block gegen „das Volk“.

Heute ist „Altparteien“ ein fester Bestandteil rechtspopulistischer Rhetorik – vor allem der AfD. Dort dient er dazu, alle demokratischen Parteien pauschal abzuwerten und ein einfaches Freund-Feind-Bild zu erzeugen: wir hier, die da oben dort.

Wer diese Sprache übernimmt, übernimmt zwangsläufig auch das zugrunde liegende Denkmuster.

Kritik ja – Pauschalverachtung nein

Natürlich darf und muss Politik kritisiert werden. Auch scharf. Auch grundsätzlich.
Aber Kritik lebt von Konkretheit: Welche Partei? Welche Entscheidung? Welche Konsequenzen?

„Altparteien“ ersetzt all das durch ein Schlagwort. Es spart Denken – und verhindert Debatte. Oder anders gesagt: Wer „Altparteien“ sagt, will gar nicht mehr streiten, sondern diffamieren.

Warum ich das klar benenne

Ich benenne das so deutlich, weil diese Sprache selbst ein Angriff ist. Auf demokratische Vielfalt. Auf parlamentarischen Streit. Auf politische Verantwortung. Demokratie lebt davon, dass Parteien unterschiedlich sind, sich widersprechen, Fehler machen – und sich Wahlen stellen. Das ist kein Makel. Das ist ihre Stärke.

Wer alle demokratischen Parteien pauschal als „Altparteien“ abqualifiziert, stellt sich außerhalb dieses Verständnisses. Und ja: Wer diesen Begriff benutzt, muss damit rechnen, auch so eingeordnet zu werden.

Mein Angebot: reden – aber konkret

Wer unzufrieden ist, soll das sagen. Wer wütend ist, soll das benennen. Aber bitte ohne Kampfbegriffe, die Debatten vergiften.

Nicht „Altparteien“, sondern: Welche Politik genau? Welche Entscheidung? Welche Themen bleiben liegen?

Nur so sind Austausch, Debatte und inhaltliche Auseinandersetzung möglich.