Eine laute Minderheit – warum wir ihr das Netz nicht überlassen dürfen
In letzter Zeit wurde ich massiv mit Hass im Netz konfrontiert. Das lässt einen nicht kalt und es wirft Fragen auf: Wer sind diese Leute? Warum kommen sie gezielt auf meine Seite? Und was heißt das für uns alle? Mein Fazit: Es ist eine laute Minderheit, die andere einschüchtern will. Umso wichtiger sind Mut, Solidarität und eine klare Haltung gegen digitale Gewalt.
Eine kleine Minderheit sorgt für den großen Lärm
Beleidigungen, Hetze, Drohungen: Rund 49 Prozent der Social-Media-Nutzer:innen berichten von persönlichen Angriffen – besonders junge Frauen, Menschen mit Migrationsgeschichte, LGBTQ-Personen und politisch Engagierte. Unter Politiker:innen erleben über 80 Prozent digitale Gewalt. 2023 wurden mehr als 12.000 Fälle von „Beleidigung via Internet“ registriert – Tendenz steigend. Diese Entwicklung verändert unseren öffentlichen Diskurs – und zwar nicht zum Guten.
Rund 27 Prozent sind regelmäßig mit Hate Speech konfrontiert, während nur 2–7 Prozent aktiv Hass verbreiten. Eine kleine aggressive Minderheit dominiert Debatten. Viele schweigen – aus Selbstschutz. Genau darin liegt das Problem: Nicht der Hass allein zerstört Diskussionen, sondern dass eine laute Minderheit es schafft, dass viele gar nicht mehr widersprechen.
Hass hat System – und Fake News gehören dazu
Digitale Gewalt ist selten Zufall. Sie ist ganz gezielt gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und rechte Mobilisierung. Viele Shitstorms wirken spontan – sind aber organisiert und strategisch. Ziel ist Radikalisierung, Einschüchterung und das Zurückdrängen demokratischer Gegenrede. Algorithmen verstärken das zusätzlich: Empörung schafft Reichweite. Hass ist also laut – und politisch.
Hasskommentare werden häufig mit Fake News kombiniert. Das konstruiert Feindbilder, verbreitet Desinformation und verschiebt Debatten nach rechts. Ignorieren wir das, verlieren wir demokratische Räume – und überlassen sie gezielten Kampagnen.
Der Rückzug von Betroffenen ist ein Warnsignal
Fast jede zweite Person überlegt inzwischen zweimal, ob sie sich online äußert. Viele ziehen sich ganz zurück – besonders Minderheiten, junge Frauen und politisch Aktive. Die Folge: Wenn die konstruktiven Stimmen verstummen, gewinnen nicht nur die Lautesten, sondern jene, die Debatten bewusst zerstören und in eine rechte Richtung drücken wollen.
Hass hemmt politische Teilhabe.
Hass macht leise.
Hass soll einschüchtern – und oft gelingt es.
Warum Gegenrede wirkt – und warum Solidarität der Schlüssel ist
Der Satz „Das bringt doch eh nichts“ ist falsch. Widerspruch wirkt – und zwar stärker, wenn viele mitmachen. Widerspruch reduziert Reichweite, bricht Dynamiken und entzieht Hassreden das Publikum. Schweigen hingegen verstärkt Hass und Desinformation.
Hass gewinnt nicht, weil er stark ist.
Hass gewinnt, wenn wir ihm das Netz überlassen.
Deshalb tragen wir Verantwortung: durch Aufklärung, digitale Zivilcourage und Solidarität. Betroffene brauchen Menschen, die unterstützen und widersprechen – nicht mit gleicher Härte, sondern mit Klarheit, Ruhe und Fakten. Wenn viele gemeinsam auftreten, verliert die laute Minderheit ihre Bühne. Digitale Räume werden wieder zu Orten des Austauschs statt der Einschüchterung.
Fazit: Wir müssen digitale Räume verteidigen – gemeinsam
Eine kleine Gruppe verbreitet gezielt Hass. Die große Mehrheit will faire Debatten. Damit der demokratische Diskurs lebendig bleibt, müssen wir uns diesen Raum zurückholen. Schweigen schützt nicht – es stärkt die Falschen. Widerspruch, Solidarität und klare Regeln machen den Unterschied.
Ich habe in den letzten Tagen erlebt, wie das funktionieren kann: Viele haben sich eingemischt, widersprochen und mich unterstützt. Die Mehrheit schweigt nicht – sie steht ein für Respekt und Demokratie.
Dafür danke ich von Herzen.
Es liegt an uns allen, weiter dagegenzuhalten – laut, klug und solidarisch.



