Mobbing am Arbeitsplatz: Hinschauen, schützen, handeln

Mobbing ist keine Bagatelle. Millionen Beschäftigte erleben psychische Gewalt am Arbeitsplatz – mit gravierenden Folgen für Gesundheit, Würde und ihr gesamtes Leben. Bei einem digitalen Impulsvortrag an der Universität Kaiserslautern-Landau habe ich darüber gesprochen, warum Mobbing bis heute verdrängt wird und weshalb Betroffene endlich besseren Schutz brauchen.

Auf Einladung von Dr. Cornelia Rövekamp durfte ich an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau einen digitalen Impulsvortrag zum Thema „Mobbing am Arbeitsplatz – Ein Angriff auf Würde und Gesundheit: Es ist Zeit, hinzuschauen – und zu handeln“ halten. Über diese Einladung habe ich mich sehr gefreut, denn das Thema begleitet mich politisch seit vielen Jahren.

Während meiner Zeit im Bundestag habe ich immer wieder versucht, Mobbing politisch sichtbar zu machen. Fachgespräche, parlamentarische Initiativen und Gespräche mit Betroffenen haben mir gezeigt, wie groß das Problem ist – und wie wenig Aufmerksamkeit es erhält. Umso wichtiger war es, dass nach vielen Jahren politischer Initiativen und Forderungen mit dem neuen Mobbing-Report erstmals seit mehr als zwanzig Jahren wieder aktuelle Daten vorliegen. Die Ergebnisse bestätigen, was Betroffene, Beratungsstellen und Teile der Wissenschaft seit langem beschreiben: Mobbing ist kein Randphänomen, sondern ein ernstes gesellschaftliches Problem. Es ist ein Angriff auf die Psyche der Menschen.

Aktuell sind rund 6,5 Prozent der Beschäftigten von Mobbing betroffen. Das entspricht etwa 2,6 Millionen Menschen. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, die unter psychischer Gewalt leiden, die krank werden, ihren Arbeitsplatz verlieren und häufig auch das Vertrauen in sich selbst. Mobbing beginnt oft schleichend – mit Ausgrenzung, ständigen Abwertungen oder dem Entzug von Informationen. Für Außenstehende wirken die einzelnen Vorfälle erst einmal harmlos. Erst die Summe vieler kleiner Angriffe macht die systematische Gewalt sichtbar.

Im Vortrag ging es deshalb auch um die Frage, was Mobbing von einem normalen Konflikt unterscheidet. Konflikte gehören zum Arbeitsalltag. Mobbing hingegen zielt auf die Person selbst. Es geht um Abwertung, Isolation und Einschüchterung. Besonders problematisch wird es, wenn Vorgesetzte ihre Macht einsetzen, um Beschäftigte unter Druck zu setzen oder aus dem Betrieb zu drängen. Besonders belastend ist das sogenannte Bossing – also Mobbing durch Vorgesetzte, insbesondere wenn es strategisch eingesetzt wird.

Deutlich wurde auch: Mobbing entsteht selten zufällig. Überlastung, Personalmangel, schlechte Führung, Konkurrenzdruck und fehlende Konfliktkultur schaffen häufig ein Umfeld, in dem psychische Gewalt entstehen kann. Deshalb ist Mobbing häufig auch eine Folge schlechter Arbeitsbedingungen, mangelhafter Führung und fehlender Verantwortung.

Ein weiterer Schwerpunkt war die rechtliche Situation in Deutschland. Obwohl die Folgen von Mobbing gut dokumentiert sind, gibt es bis heute kein eigenständiges Mobbing-Schutzgesetz. Betroffene müssen über eine lange Zeit hinweg einzelne Vorfälle dokumentieren und vor Gericht nachweisen, was ihnen widerfahren ist. Viele scheitern an diesen hohen Hürden. Bemerkenswert ist deshalb, dass der neue Forschungsbericht zu Mobbing der Universität Leipzig Rechtsprobleme benennt – von fehlenden Definitionen über schwierige Beweisführungen bis hin zu unklaren Pflichten der Arbeitgebenden.

Aus meiner Sicht braucht es deshalb endlich klare gesetzliche Regelungen. Mobbing muss als psychische Gewalt rechtlich anerkannt werden. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber brauchen verbindliche Präventions- und Schutzpflichten. Betroffene benötigen wirksame Rechte, niedrigschwellige Beschwerdewege und Beweiserleichterungen. Andere Länder zeigen längst, dass solche Regelungen möglich sind.

Die Diskussion im Anschluss an den Vortrag hat deutlich gemacht, wie groß das Interesse an diesem Thema ist. Mobbing betrifft nicht nur einzelne Menschen. Es betrifft Arbeitskulturen, Betriebe, Gesundheitssysteme und letztlich die gesamte Gesellschaft.

Für mich bleibt deshalb eine zentrale Erkenntnis: Mobbing ist nicht nur eine Frage der Haltung. Es ist auch eine Frage des Rechts. Denn ein Rechtsstaat, der die Würde des Menschen schützen will, darf bei psychischer Gewalt am Arbeitsplatz nicht wegsehen.

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