Der Fall Babaeifard: Schutz gesucht, Abschiebung droht
Mojtaba Babaeifard ist Regimekritiker, Künstler und Folteropfer aus dem Iran. Ihm droht die Abschiebung in ein Land, in dem Menschen wie er verfolgt, inhaftiert und getötet werden. Sein Asylantrag wurde abgelehnt. Das ist nicht nur fachlich fragwürdig, sondern politisch verantwortungslos. Wer vor einem mörderischen Regime flieht, muss Schutz bekommen.
Mojtaba Babaeifard ist 41 Jahre alt. Er ist Schauspieler, Tänzer, Autor, Regisseur. Ein belesener, kluger, sensibler Mensch. Vor allem aber ist er Regimekritiker des iranischen Mullah-Regimes – und damit in akuter Lebensgefahr. Deutschland verweigert ihm Schutz. Das ist ein Skandal.
„Moji“ – so wird er genannt, hat erlebt, was Verfolgung bedeutet. Vorladungen, Folter, Todesangst. Kollegen und Weggefährten wurden vom Regime verschleppt, inhaftiert oder getötet – viele gelten bis heute als verschwunden. Künstlerische Freiheit existiert im Iran nicht mehr. Sogar klassische Theaterstücke wie Shakespeare wurden verboten und mit Repression beantwortet. Wer trotzdem denkt, schreibt, inszeniert, widerspricht, riskiert sein Leben.
Und trotzdem hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seinen Asylantrag abgelehnt. Begründung: zu wenig Details, zu wenig Emotionen, zu wenig Dramatik. Als ob traumatisierte Menschen ihre Geschichte jederzeit abrufbereit, chronologisch und ausgeschmückt erzählen könnten. Als ob Verdrängung kein Schutzmechanismus wäre. Als ob Folteropfer glaubwürdiger würden, wenn sie leidenstauglicher performen.
Das ist nicht nur zynisch – für Moji ist es gefährlich.
Denn während Mojtaba zur Ausreise aufgefordert wird, eskaliert die Lage im Iran weiter. Hinrichtungen sind Alltag. Repression ist Staatsdoktrin. Wer wie Mojtaba öffentlich denkt, fühlt, Kunst macht und widerspricht, wird verfolgt. Ihn dorthin zurückzuschicken, heißt, sein Leben aufs Spiel zu setzen.
Es ist beschämend, dass Deutschland in dieser Situation die Augen verschließt. Schutz vor politischer Verfolgung ist kein Gnadenakt. Er ist ein Grundrecht. Und er gilt gerade dann, wenn Menschen leise sprechen, weil ihre Seele verletzt ist.
Der Umgang der aktuellen Merz-Regierung mit Asyl und Schutzsuchenden ist dabei nur schwer auszuhalten. Statt Menschenrechte ernst zu nehmen, wird Abschreckung zur politischen Leitlinie. Fälle wie der von Mojtaba Babaeifard sind kein Versehen – sie sind Ausdruck einer Politik, die Schutz systematisch aushöhlt.
Dabei zeigt Mojtaba jeden Tag, was Integration wirklich bedeutet. Er arbeitet, lernt Deutsch, hat die B1-Prüfung abgelegt, gewinnt Freunde, Kolleg:innen, Unterstützer:innen. In seiner Freizeit engagiert er sich bei einer inklusiven Tonne-Produktion und macht beim Projekttheaterstück »In der WunderBar« von Patati-Patata mit. Er ist angekommen. Er will bleiben.
Es geht hier nicht um abstrakte Verfahren. Es geht um einen Menschen. Und es geht um eine grundsätzliche Frage: Stehen wir an der Seite derer, die vor Unterdrückung fliehen – oder schicken wir sie zurück in die Hände eines repressiven Regimes?
Ich sage klar: Mojtaba Babaeifard muss Asyl bekommen. Alles andere wäre ein politisches Versagen. Wer den Iran kennt, wer die Verfolgung von Künstlerinnen, Intellektuellen und Regimekritikern ernst nimmt, kann diesen Bescheid nicht akzeptieren.
Schutz zu gewähren ist unsere Verantwortung. Und es ist auch eine Chance. Denn Menschen wie Mojtaba stehen für Mut, für Freiheit, für kulturelle Vielfalt. Sie machen unsere Gesellschaft stärker.




