Was die AfD in Sachsen-Anhalt mit Schule vorhat
Schule vermittelt nicht nur Mathe, Deutsch und Geschichte. Sie bereitet Kinder auf das Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft vor. Doch die AfD will nationalistische Erziehung zum Leitbild machen, geflüchtete Kinder aussortieren, Inklusion beenden und Unterstützung zurückdrängen.
Kinder lernen in der Schule nicht nur lesen, schreiben und rechnen. Sie lernen auch, wie wir miteinander umgehen. Wie wir Konflikte lösen. Wie Demokratie funktioniert. Und sie erfahren, ob wirklich alle dazugehören.
Genau deshalb ist das Regierungsprogramm der AfD für Sachsen-Anhalt so gefährlich. Es geht nicht nur um einzelne bildungspolitische Forderungen. Es geht um ein Gesellschaftsbild: trennen statt gemeinsam lernen, aussortieren statt fördern, Nationalismus statt Vielfalt, wegsehen statt unterstützen.
Kinder nach Herkunft trennen
Besonders deutlich wird das beim Umgang mit geflüchteten Kindern. Die AfD will Kinder von Flüchtlingen und Asylbewerber:innen in Sonderklassen unterrichten. Diese Klassen sollen gerade nicht darauf vorbereiten, möglichst schnell gemeinsam mit allen anderen Kindern zu lernen.
Die Begründung ist entlarvend. Die AfD will „unsere Kinder“ vor angeblichen „Belastungen“ durch Kinder aus vermeintlich fremden Kulturen schützen. Sie werden aufgrund ihrer Herkunft zu einem Problem für andere erklärt. Das ist rassistische Ausgrenzung – schon im Klassenzimmer.
Gute Schulen brauchen selbstverständlich genügend Lehrkräfte für Deutsch als Zweitsprache, gezielte Sprachförderung und Unterstützung bei der Kommunikation mit den Familien. Das Ziel muss aber sein, Kinder schnell in Regelklassen zu integrieren und sie eben nicht dauerhaft von anderen Kindern zu trennen. Genau das sieht das grüne Programm für Sachsen-Anhalt vor.
Inklusion beenden statt Schulen besser ausstatten
Auch Kinder mit Behinderung will die AfD wieder stärker aussortieren. Sie bezeichnet den gemeinsamen Unterricht als gescheitertes Experiment und kündigt an, die Inklusion „unverzüglich beenden“ zu wollen. Förderschulen sollen stattdessen ausgebaut werden.
Natürlich gelingt Inklusion nicht allein durch einen politischen Beschluss. Schulen benötigen sonderpädagogische Fachkräfte, qualifizierte Schulbegleitung, kleinere Klassen und ausreichend Geld. Genau daran fehlt es vielerorts. Die Antwort kann aber nicht sein, Kinder wieder voneinander zu trennen.
Gemeinsames Lernen ist ein Recht und eine gesellschaftliche Aufgabe. Kinder lernen dabei nicht nur miteinander, sondern auch voneinander. Wer Schulen besser ausstattet, ermöglicht Teilhabe. Wer Kinder aussortiert, verhindert sie.
Das grüne Programm will den gemeinsamen Unterricht zum Normalfall machen, die Regelschulen entsprechend ausstatten und Kindern mit Unterstützungsbedarf qualifizierte Schulbegleitung für den gesamten Schultag sichern.
Schule soll sich aus der Realität zurückziehen
Die AfD will Schule auf die Vermittlung von Unterrichtsstoff reduzieren. Soziale und psychologische Betreuung, Integration und Inklusion erklärt sie ausdrücklich zu Aufgaben, die nicht in die Schule gehören. Lehrkräfte sollen sich ausschließlich auf die Vermittlung von Wissen konzentrieren.
Das klingt zunächst nach Entlastung. Tatsächlich ignoriert es den Alltag an Schulen. Psychische Krisen, Gewalt, Sucht, familiäre Konflikte oder Sprachprobleme verschwinden nicht, weil eine Landesregierung sie für nicht zuständig erklärt.
Schulsozialarbeit und psychologische Unterstützung halten Lehrkräfte nicht vom Unterricht ab. Sie ermöglichen guten Unterricht. Sie helfen jungen Menschen in schwierigen Situationen, verhindern Eskalationen und entlasten gerade diejenigen, die jeden Tag vor der Klasse stehen.
Die Grünen wollen deshalb Schulsozialarbeit als festen Bestandteil von Schule verankern. An jeder Schule soll mindestens eine fest angestellte Schulsozialarbeiter:in arbeiten. Zusätzlich sollen in den Landkreisen und kreisfreien Städten schulpsychologische Pools entstehen. Schulen mit besonderen Herausforderungen sollen über einen Schulsozialindex gezielt mehr Unterstützung bekommen.
Nationalistische Erziehung statt offener Schule
Die AfD will die Schule auch frei von politischer Erziehung halten. Gleichzeitig will sie ihre eigene Ideologie zum staatlichen Erziehungsziel machen. Kinder sollen nach ihrem Willen zur „Liebe zu ihrer Heimat und dem deutschen Volk“ erzogen werden. Jeden Schultag soll an öffentlichen Schulen die Bundesflagge gehisst werden. Bei schulischen Feierlichkeiten soll die gesamte Schulgemeinschaft gemeinsam die Nationalhymne singen.
Auch der Landesförderung für „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ will die AfD ein Ende setzen. Sie behauptet, wirklichen Rassismus gebe es kaum noch, und stellt die Arbeit gegen Rassismus als Angriff auf rechte und patriotische Einstellungen dar.
Der Widerspruch könnte kaum größer sein: Die AfD klagt über politische Beeinflussung, will aber selbst festlegen, welches Verhältnis Kinder zu Volk, Nation und Heimat entwickeln sollen. Das ist keine neutrale Bildungspolitik. Das ist nationalistische Erziehung von gestern.
Gute Schule stärkt Wissen, Persönlichkeit und Zusammenhalt
Natürlich brauchen die Schulen in Sachsen-Anhalt bessere Bedingungen. Unterrichtsausfall, fehlende Lehrkräfte, sanierungsbedürftige Gebäude und überlastetes Personal sind reale Probleme. Gerade deshalb braucht es Lösungen, die Schulen wirklich stärken.
Dazu gehören mehr Investitionen, eine bessere Ausbildung und Unterstützung der Lehrkräfte, multiprofessionelle Teams, Schulsozialarbeit, psychologische Hilfe und gezielte Sprachförderung. Kinder müssen vor Rassismus, Mobbing, Diskriminierung und Queerfeindlichkeit geschützt werden. Demokratie darf nicht nur im Lehrbuch vorkommen. Junge Menschen müssen sie im Schulalltag erleben und mitgestalten können. Das grüne Programm verbindet deshalb besseren Unterricht mit Inklusion, sozialer Unterstützung, Schutz vor Diskriminierung und stärkerer Demokratiebildung.
Die AfD will Schulen nicht stärken. Sie will Kinder sortieren und ausgrenzen – nach Herkunft, Behinderung und ihrem nationalistischen Weltbild. Das ist nicht nur bildungspolitisch falsch. Es ist gesellschaftlich fatal.
Gute Schule gibt jedem Kind eine Chance. Sie stärkt Wissen, Persönlichkeit und Zusammenhalt. Genau darum geht es.









