Gerade jetzt – warum die Zukunft der Industrie klimaneutral ist
Klimaschutz, Industriepolitik und gute Arbeit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wer Industrie und Arbeitsplätze sichern will, muss in Zukunftstechnologien, Tarifbindung und Mitbestimmung investieren. Genau darin sind sich Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, und Katharina Dröge, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, einig.
Die entscheidende Frage lautet nicht: Klimaschutz oder Arbeitsplätze? Die Frage ist: Schaffen wir es, unsere Industrie so umzubauen, dass Wertschöpfung und gute Arbeit in Deutschland und Europa bleiben?
Denn eine starke Industrie braucht Zukunftstechnologien und bezahlbare erneuerbare Energie. Und sie braucht Beschäftigte, die nicht nur zuschauen, sondern mitentscheiden können. Gute Tarifverträge, soziale Sicherheit und Mitbestimmung gehören deshalb genauso zur Transformation wie neue Technologien und Investitionen.
Genau darum geht es im gemeinsamen Gastbeitrag von Katharina Dröge und Christiane Benner in der Frankfurter Rundschau. Beide wenden sich gegen zwei vermeintlich einfache Antworten auf die Probleme unserer Industrie: zurück zu fossilen Technologien und runter mit Arbeitnehmerrechten und Sozialstandards.
Das ist auch unsere Haltung bei GewerkschaftsGrün. Denn beides führt in die falsche Richtung.
Die Weltwirtschaft wartet nicht auf Deutschland. Elektromobilität, erneuerbare Energien, Batterien, klimaneutraler Stahl und andere Zukunftstechnologien werden längst entwickelt und produziert. Entscheidend ist, wo das geschieht. Wo entstehen neue Fabriken? Wo bleiben Know-how und Wertschöpfung? Und wo entstehen die guten Arbeitsplätze von morgen?
Ein Zurück zu Öl und Gas beantwortet keine dieser Fragen. Schlechtere Arbeitsbedingungen auch nicht.
Transformation braucht soziale Sicherheit
Wie zentral soziale Sicherheit für die Menschen ist, hat gerade die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gezeigt. Für 25 Prozent der Wähler:innen war soziale Sicherheit ein entscheidendes Thema für ihre Wahlentscheidung.
Denn Veränderung kann verunsichern – gerade wenn Arbeitsplätze unter Druck geraten, Standorte infrage stehen oder ganze Regionen vor großen Veränderungen stehen. Dann geht es nicht nur um einzelne Unternehmen oder abstrakte Wirtschaftszahlen. Es geht um Beschäftigte und ihre Familien. Um Zulieferbetriebe. Um Kommunen und ganze Regionen. Und um die Frage, ob es dort auch künftig gute Arbeitsplätze gibt.
Deshalb darf Transformation niemanden alleinlassen. Menschen müssen darauf vertrauen können, dass Veränderungen nicht bedeuten, dass sie am Ende die Verlierer:innen sind. Beschäftigte brauchen Sicherheit und Perspektiven. Regionen brauchen neue Investitionen und neue Wertschöpfung.
Deshalb brauchen wir nicht weniger Transformation, sondern eine, die wirtschaftlich erfolgreich ist und soziale Sicherheit schafft.
Deutschland und Europa müssen dafür sorgen, dass Zukunftstechnologien auch hier entwickelt und produziert werden. Dröge und Benner fordern unter anderem mehr europäische Wertschöpfung bei öffentlicher Förderung und Vergabe, den Ausbau von Klimaschutzverträgen und grünen Leitmärkten, Investitionen in Batterietechnologie und mehr Unabhängigkeit bei Rohstoffen.
Dazu gehört bezahlbare Energie. Wer bei Öl und Gas abhängig bleibt, bleibt auch abhängig von internationalen Krisen und Preissprüngen. Der Ausbau erneuerbarer Energien ist deshalb nicht nur Klimapolitik. Er ist handfeste Industriepolitik. Gleichzeitig braucht die Industrie langfristig verlässliche und wettbewerbsfähige Strompreise.
Und vor allem: Der Umbau darf nicht über die Köpfe der Beschäftigten hinweg stattfinden.
Starke Mitbestimmung und Tarifbindung sind entscheidend dafür, dass aus neuen Arbeitsplätzen auch gute Arbeitsplätze werden. Weiterbildung, Job-to-Job-Angebote und regionale Arbeitsmarktdrehscheiben können Beschäftigten neue Perspektiven geben, statt sie mit den Veränderungen allein zu lassen.
Wer heute Klimaschutz gegen Industrie und gute Arbeit ausspielt, führt deshalb die falsche Debatte. Fossile Rückwärtsrollen sichern keine Arbeitsplätze. Und weniger Arbeitnehmerrechte machen unsere Industrie nicht wettbewerbsfähiger.
Wir brauchen eine Industriepolitik, die Zukunftstechnologien hier hält und neue Wertschöpfung schafft. Wir brauchen erneuerbare Energien und verlässliche Rahmenbedingungen. Und wir brauchen starke Gewerkschaften, Tarifverträge und Mitbestimmung.
Klimaneutral, tarifgebunden und mitbestimmt – so hat Industrie in Deutschland Zukunft.
Gerade jetzt – warum die Zukunft der Industrie klimaneutral ist




