Rente braucht Fakten – keine Panikmache

Der Gewerkschafts- und Sozialbeirat der grünen Bundestagsfraktion hat sich diesmal mit einem Thema beschäftigt, über das derzeit viel gestritten wird: die Rente. Und genau deshalb war die Debatte so wichtig. Sie war ernsthaft, tiefgehend und faktenbasiert – ohne Schlagworte und ohne Panikmache.

Für mich war das Treffen auch persönlich besonders. Ich habe diesen Beirat damals selbst gegründet. Ziel war immer, Gewerkschaften, Wissenschaft, Sozialverbände und Politik zusammenzubringen – für ehrliche Debatten über soziale Fragen und gute Arbeit. Umso mehr freut es mich, heute weiterhin dabei zu sein: nicht mehr als Bundestagsabgeordnete, sondern als Vertreterin von GewerkschaftsGrün.

Die Diskussion hat erneut gezeigt: Ja, die Rente steht vor Herausforderungen. Aber vieles wird derzeit verzerrt dargestellt. Oft heißt es, immer weniger Menschen würden einzahlen, während immer mehr Menschen Rente beziehen. So einfach stimmt das nicht. Seit der Jahrtausendwende gibt es rund sieben Millionen mehr Beitragszahlende. Und auch der Rentenbeitrag ist in den vergangenen 25 Jahren nicht gestiegen, sondern sogar gesunken.

Entscheidend ist deshalb nicht das permanente Schlechtreden des Systems, sondern die Frage, wie seine Grundlagen gestärkt werden können. Dazu gehören gute Löhne und eine starke Tarifbindung. Dazu gehören Arbeitsbedingungen, die Menschen gesund bis zur Rente arbeiten lassen. Dazu gehören bessere Rahmenbedingungen, damit Arbeit und Leben – gerade für Frauen – besser zusammenpassen. Und dazu gehören Qualifizierung, Zuwanderung und auch die konsequente Entscheidung endlich eine Bürgerversicherung einzuführen – also mehr Menschen in die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme einzubeziehen. Das ist auch eine Frage der Gerechtigkeit.

Es geht also nicht um Angstmacherei, sondern um politische Gestaltung. Genau dafür braucht es Räume wie den Gewerkschafts- und Sozialbeirat.

Ich freue mich sehr, dass Ricarda Lang und Timon Dzienus den Beirat heute weiterführen – und dass dort weiterhin ernsthaft, respektvoll und mit hoher fachlicher Kompetenz diskutiert wird. Genau solche Gespräche brauchen wir gerade.