Ukraine: Vier Jahre Krieg – hinsehen, nicht wegschauen

Heute jährt sich der völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf die Ukraine zum vierten Mal. Vier Jahre Krieg. Vier Jahre Zerstörung, Leid und Widerstand. In Stuttgart haben wir den Dokumentarfilm „Kherson: Human Safari“ gesehen – ein Film, der nicht loslässt. Und der mahnt: Die Ukraine darf diesen Krieg nicht verlieren.

Gemeinsam mit Lisa Weigert war ich im Atelier am Bollwerk, wo das Ukrainische Atelier für Kultur und Sport und die Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg zu einer besonderen Filmvorführung eingeladen hatten. Der Abend war Teil einer Veranstaltungsreihe zum Jahrestag des Beginns des vollumfänglichen Angriffskriegs.

Der Film „Kherson: Human Safari“ der US-Kriegskorrespondentin Zarina Zabrisky ist mehr als eine Dokumentation. Er zeigt die ganze Geschichte der Stadt Cherson seit 2022: die Besatzung, den Mut des Widerstands, die Befreiung, die Zerstörung des Kachowka-Staudamms, die Überschwemmung – und die täglichen Angriffe, die bis heute andauern.

Besonders erschütternd ist das, was Zabrisky „Human Safari“ nennt: der gezielte Einsatz russischer Drohnen zur Jagd auf Zivilistinnen und Zivilisten. Menschen, die einkaufen gehen, Wasser holen, mit dem Fahrrad oder Auto unterwegs sind – sie werden zur Zielscheibe. Es sind Bilder, die unter die Haut gehen. Und sie lassen keinen Raum für Gleichgültigkeit.

Ich kenne Zarina Zabrisky über meine Reisen mit „Ermstal hilft“ in die Ukraine. Sie berichtet nicht aus sicherer Distanz. Sie ist vor Ort, an der Front, bei den Menschen. Dass das russische Außenministerium sie auf seine offizielle Sanktionsliste gesetzt hat, spricht Bände. Wer die Wahrheit zeigt, wird bekämpft.

Nach der Vorstellung haben Lisa und ich Fragen beantwortet – zu unseren Reisen in die Ukraine, zu den Begegnungen, zur Lage vor Ort. Es wurde deutlich, wie wichtig es ist, weiter zu erzählen, weiter aufzuklären, weiter solidarisch zu bleiben.

Vier Jahre Krieg bedeuten vier Jahre Leben im Ausnahmezustand für Millionen Menschen. Und doch begegnet uns bei jeder Reise vor allem eines: Würde. Entschlossenheit. Der unerschütterliche Wille, in Freiheit zu leben.

Dieser Film erinnert uns daran, was auf dem Spiel steht. Es geht nicht um geopolitische Abstraktionen. Es geht um Menschen. Um Städte wie Cherson. Um Familien. Um die Entscheidung, ob wir hinsehen – oder wegschauen.

Für mich ist klar: Die Ukraine darf diesen Krieg nicht verlieren. Und wir dürfen nicht müde werden, solidarisch zu sein.

Vier Jahre Krieg gegen die Ukraine – meine Gedanken