Irmgard-Zecher-Preis für Bettina Noack

Der Irmgard-Zecher-Preis wurde dieses Jahr an Bettina Noack verliehen. Es war ein angenehmer, schöner Nachmittag im Reutlinger Mütter- und Nachbarschaftszentrum – mit vielen Begegnungen, Erinnerungen und großer Wertschätzung. Mit dieser Auszeichnung ehren wir nicht nur eine beeindruckende Frau, sondern auch eine Haltung: Menschen stärken, füreinander da sein und Gemeinschaft möglich machen.

Der Preis trägt den Namen von Irmgard Zecher – einer Frau, die für viele Grüne in Baden-Württemberg prägend war. Irmgard – unsere Alterspräsidentin – war eine ganz besondere Persönlichkeit: stark, engagiert und leidenschaftlich. Geboren 1920, mit Stil, mit roten Haaren, durch und durch grün – und vor allem mit Mut. Sie hat sich überall eingemischt: in der Kommunalpolitik, in der Landespolitik und auch auf Bundesebene. Und sie hat das mit großer Leidenschaft getan – bis ins hohe Alter. Mit fast 90 Jahren kandidierte sie noch einmal für den Bundestag. Ein beeindruckendes Zeichen dafür, dass politisches Engagement kein Alter kennt.

Vor allem aber war Irmgard ein herzenswarmer Mensch. Für viele von uns war sie die Seele der Grünen. Besonders für uns Frauen war sie eine prägende Persönlichkeit. Sie hat Frauen gefördert, unterstützt und ermutigt – und auch gefordert. Irmgard wollte, dass wir Frauen uns etwas zutrauen. Dass wir Verantwortung übernehmen, unsere Stimme erheben und unseren Platz in der Politik ganz selbstverständlich einnehmen. So habe ich Irmgard erlebt. Und so hat sie auch mich geprägt.

Genau dieser Geist verbindet Irmgard Zecher mit Bettina Noack.

Bettina Noack hat über Jahrzehnte hinweg Menschen gestärkt – besonders diejenigen, die es im Leben schwerer haben. Ihr Engagement begann Anfang der 1980er-Jahre, als sie eine Mutter-Kind-Gruppe für Alleinerziehende angeboten hat. Damals war das alles andere als selbstverständlich. Alleinerziehende hatten oft wenig Unterstützung, und vieles, was heute selbstverständlich erscheint, musste erst erkämpft werden.

Bettina Noack kennt diese Lebensrealität aus eigener Erfahrung. Sie weiß, wie sich Armut anfühlt. Sie weiß, was es bedeutet, mit Kindern allein dazustehen und sich durch Behörden, Vorurteile und schwierige Lebenslagen kämpfen zu müssen. Vielleicht ist genau daraus ihr besonderer Blick entstanden: der klare Blick auf gesellschaftliche Ungerechtigkeiten – und die Entschlossenheit, etwas zu verändern.

Vor 40 Jahren war sie an der Gründung des Reutlinger Mütter- und Nachbarschaftszentrums beteiligt. Ein Ort, der heute aus der Stadt nicht mehr wegzudenken ist. Ein Ort, an dem Familien Unterstützung finden, an dem sich Menschen begegnen, an dem Gemeinschaft wächst. Bettina Noack hat dort nicht nur Angebote geschaffen – sie hat Menschen ermutigt, ihre eigenen Stärken zu entdecken.

Sie hat das Mütterforum Baden-Württemberg mit aufgebaut, sich in vielen Initiativen engagiert und immer wieder neue Impulse gesetzt. Für dieses jahrzehntelange Engagement wurde sie bereits mit dem Landesverdienstorden ausgezeichnet.

Doch wer Bettina kennt, weiß: Preise und Ehrungen standen für sie nie im Mittelpunkt. Ihr ging es immer um die Menschen. Um junge Mütter, die Unterstützung brauchen. Um Kinder, die gute Startbedingungen verdienen. Um Familien, die Halt suchen. Und manchmal auch einfach darum, gemeinsam zu lachen und sich gegenseitig Mut zu machen.

Bettina Noack ist eine Frau mit klarem Blick und großem Herzen. Sie spricht Probleme offen an, wenn es nötig ist – und sie bleibt dran, auch wenn es unbequem wird. Gerade deshalb hat sie so viel bewegt.

Der Irmgard-Zecher-Preis passt deshalb wunderbar zu ihr. Denn mit dieser Auszeichnung ehren wir nicht nur ein beeindruckendes Lebenswerk. Wir ehren auch eine Haltung: hinsehen statt wegsehen, unterstützen statt urteilen, Gemeinschaft statt Ausgrenzung.

Oder anders gesagt: Wir sind nur dann stark, wenn wir füreinander da sind.